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TwitterZehn Jahre in aller Kürze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Twitter wird zehn, doch ausgerechnet zum runden Geburtstag hat der Kurzmitteilungsdienst wenig zu feiern. Zuletzt ging erstmals die Zahl aktiver Nutzer leicht zurück. Zum Ende vergangenen Jahres hatte Twitter 305 Millionen Nutzer, zwei Millionen weniger als drei Monate zuvor. Hinzu kommt: Quartal für Quartal stehen tiefrote Zahlen in der Bilanz.

Twitter hat die Welt verändert, einen einzigartigen Kanal geschaffen. „Jeder kann seine Ideen und Informationen sofort und über Grenzen hinweg teilen“, lautet das Motto. Doch daraus ein profitables Geschäft aufzubauen, erweist sich als schwierig. Zum Start vor zehn Jahren ging es zunächst nicht darum, einen Online-Service zum Geldverdienen zu gründen. Der Dienst entstand eher nebenbei. Die kleine Firma Odeo in San Francisco wollte einen Audio-Dienst für das Netz entwickeln. Bei einem Brainstorming schlug der Entwickler Jack Dorsey vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. In zwei Wochen entstand ein Prototyp. „Just setting up my twttr“ lautete die erste Kurzmitteilung von Dorsey am 21. März 2006. Das US-Blog „TechCrunch“ entdeckte den Dienst drei Monate später. Auf einer Konferenz in Texas gelang Twitter dann im 2007 der Durchbruch, die Firma Twitter Inc. wurde ausgegründet.

Inzwischen gibt es kaum ein großes Ereignis, das nicht auch bei Twitter stattfindet. Die gewaltigen Demonstrationen beim „arabischen Frühling“ ab 2011, Selfies aus der Kabine der Fußball-Weltmeister, der Schrecken der Attacken von Paris.

Doch wie geht es jetzt weiter mit Twitter? Irgendwann muss jedes Unternehmen Geld verdienen. Mitgründer Jack Dorsey steht vor einer Herausforderung. Er muss den Kurznachrichtendienst reparieren – darf dabei aber nicht die Millionen zufriedener Nutzer verärgern. Und schon gar nicht die „Power-User“ wie Journalisten, Politiker oder Prominente.

Die verbreiten ihre Tweets weiter erfolgreich und locken damit auch ihre Fans auf das Portal: An der Spitze stehen die Popstars Katy Perry (84,5 Millionen Follower), Justin Bieber (77,2 Mio.) und Taylor Swift (72,9 Mio.), gefolgt von US-Präsident Barack Obama mit immerhin noch 71,1 Millionen Abonnenten.

Doch das allein rettet Twitter nicht. Unter Druck scheint Dorsey derzeit an jeder Schraube zu drehen, die er findet. Er deutete an, dass die anfangs eingeführte Obergrenze von 140 Zeichen pro Tweet fallen könnte. Twitter experimentiert auch mit einer Sortierung der Posts nach Relevanz statt der chronologischen Reihenfolge – und handelte sich damit sofort einen Aufstand der eingefleischten Nutzer ein.

In den vergangenen Jahren schien es oft, dass der Twitter-Chefetage eine klare Strategie fehlt. Erst verzichteten die Gründer ganz auf Werbung, dann sollte Geschäft gemacht werden und im Nachrichtenstrom tauchten plötzlich bezahlte Tweets und „Trends“ auf. Solche Werbung macht den Großteil der Twitter-Erlöse aus. Die Frage ist aber, wie viel mehr davon man den heutigen Twitterern noch zumuten kann.

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