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Verifizierte Accounts in SH : Twitter: Die Sache mit dem blauen Häkchen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der eine twittert viel, der andere wenig. Öffentliche Verwaltungen in SH kaum. Und meist ohne verifzierte Accounts.

von
erstellt am 28.Jun.2015 | 12:35 Uhr

Nüchtern, sachlich – und natürlich auf unter 140 Zeichen, so fiel der Start des neuen Twitter-Kanals @ltshNews des schleswig-holsteinischen Landtags Mitte Juni aus. Der erste Tweet kam passend zum Juni-Plenum, Themen: Friesenhof-Heime. Hundegesetz, Managergehälter und Co.

Seitdem zwitschert die Onlineredaktion mehrmals täglich Neuigkeiten im Namen des Parlaments – ganz offiziell. Für den gemeinen Nutzer aber lässt sich der offizielle Status bislang nur erahnen, denn verifiziert ist der Kanal noch nicht.

Mit einem blauen Häkchen werden Twitter-Kanäle als reale und autorisierte Profile gekennzeichnet. Ein Zeichen für den Nutzer, dass er es hier mit demjenigen zu tun hat, den er auch wirklich erwartet, und somit ein Hinweis, wie er die verbreiteten Informationen einzuordnen hat.

Dies werde in Zeiten von gefälschten Profilen immer wichtiger, weiß Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB). Was Nutzern bei der Suche nach Promis wie Lady Gaga den Spaß vermiesen kann, sei bei mehreren Kanälen von vermeintlich ein und derselben Verwaltung besonders ärgerlich: „Das stürzt Bürger dann eher in Verwirrung, als dass es hilft.“

Die Nutzung sozialer Medien sei eine gute Ergänzung zu Informationswegen wie dem Gemeindebrief oder klassischen Medien, sagt Habbel – aber eben nur eine Ergänzung. Denn auch wenn dieser Weg schnell und unkompliziert ist, gibt Habbel zu bedenken: „Man erreicht so nur einen Teil der Bevölkerung.“

Rund ein Viertel der Städte und Gemeinden in ganz Deutschland sind nach DStGB-Angaben auf den Zug aufgesprungen, auf rein freiwilliger Basis – Zahlen aus Schleswig-Holstein gibt es nicht. „Gemeinden sind klug beraten, sich sozialen Netzwerken zu widmen“, sagt Habbel deutlich. Er schränkt jedoch ein: „Die meisten Behörden sind darauf nicht ausgelegt.“

Diese Einschränkung bestätigt auch Jannick Schwender von der Verwaltung der Stadt Heide. Deshalb sei man im Moment mit dem Facebook-Account gut ausgelastet: „Wir erreichen darüber viele Leute.“ Mehr als 2800 „Gefällt mir“-Angaben kann die Seite bislang verzeichnen. Als Beispiel, bei dem der Dialog zwischen Verwaltung und Bürgern besonders gut funktionierte, nennt Schwender das Konzert des Sängers Herbert Grönemeyer vor gut zwei Wochen. Fragen zur Verkehrs- oder Parkplatzregelung konnten so beantwortet werden.

„Der direkte Kontakt ist ein großes Bedürfnis der Bevölkerung“, sagt Schwender. „Wir müssen aber auch ansprechbereit sein, wenn wir dort aktiv sind.“ Und das sei manchmal nur zeitverzögert möglich, denn diese Arbeit leisten die Mitarbeiter nebenbei. Man müsse noch erproben, wie dieser „sehr hohe Arbeitsaufwand“ in interne Abläufe integriert werden kann. Ein Zurück komme aber nicht infrage: „Es ist selbstverständlich, dass wir Infos da platzieren, wo die Bürger sind“, sagt Schwender. Ob man irgendwann auch einen Twitter-Kanal eröffnet – in Planung ist das in Heide noch nicht.

Und damit scheint man in Heide nicht allein zu sein. Auf der Insel Sylt habe man zwar einen Twitter-Kanal, doch der liegt still – auch hier setze man auf Facebook. Auch nach Einschätzung des Gemeindebundes SH ist der gesamte Norden noch Brachland, was das Zwitschern angeht. Überwiegend die größeren Städte wie beispielsweise Flensburg oder Kiel sind auf Twitter vertreten. Verifiziert sind sie aber nicht.

Zur Ehrenrettung trat dann vor knapp zwei Wochen der Landtag an. Eine Verifizierung ist bislang jedoch auch hier nur angedacht, erzählt Janine Wergin. Eine Rückfrage eines Nutzers habe es bislang gegeben, ob dies denn der offizielle Kanal sei, erzählt die Onlineredakteurin des Landtags. Nicht gerade repräsentativ, aber vielleicht ein Stoß in die richtige Richtung?

Denn dass Twitter ein guter Weg ist, um Menschen zu erreichen, schwingt auch bei Wergin mit, wenn sie von dem neuen Projekt erzählt: In den ersten zwei Tagen sei man von null auf hundert Follower durchgestartet. Heute – knapp zwei Wochen später – hat @ltshNews 150 Anhänger.

Wie es richtig geht, macht Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner vor. Seine 20.300 Twitter-Follower können sich sicher sein: Der Guten-Morgen-Gruß aus Bordesholm kommt auch wirklich aus dem Kanal des SPD-Fraktionsvorsitzenden.

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