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Von Disney bis Nintendo : Toys-to-Life: Erfolg braucht keinen Hype

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kombination aus Videospiel und Spielzeug war DER Trend für die Kinderzimmer von morgen: bis Virtual Reality kam.

Wer 2014 über die Gamescom gelaufen ist, hat sich einen Begriff ganz sicher gemerkt: Toys-to-Life. Die Kombination aus Videospiel und Spielzeug war der große Trend für die Kinderzimmer von morgen und schien den Markt umzukrempeln. Doch mit der Virtual Reality wirkte echtes Spielzeug plötzlich wieder nur wie Schnee von gestern.

2016 sorgte der Disney-CEO Bob Iger dafür, dass plötzlich groß der Tod des Toys-to-Life-Genres diskutiert wurde. „Wir glauben nicht mehr an die Stabilität des Businessmodells“, sagte er und zog damit bei dem Videospiel-Spielzeug-Mix der Firma die Reißleine. Nur eine Frage der Zeit, bis auch die anderen Mitbewerber folgten? Nein, das Ende von „Disney Infinity“ bedeutete keinesfalls ein Ende für das gesamte Toys-to-Life-Genre. Die Verkaufszahlen steigen zwar nicht mehr rasant an – nehmen aber doch Jahr für Jahr weiter zu.

Disney scheiterte viel mehr an einem überfüllten Markt. Toys-to-Life sind zwar ein beliebter Zeitvertreib, aber eben auch ein sehr teurer. Neben den 60 bis 100 Euro für das Spiel müssen noch einmal 10 bis 20 Euro pro Figur auf den Tisch gelegt werden. Da gilt es sich zu entscheiden.

In diesem Kampf um die Gunst der Spieler haben es Nintendo, Activision und Warner allesamt geschafft, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Disney hätte am liebsten jede dieser Zielgruppen erreicht und verlor so alle.

Ohne eigenes Spiel im Rücken konnten sich Nintendos „Amiibos“ am Markt behaupten. Die japanische Firma setzt auf ihre große und treue Fanbase, die ihre Figuren auch ohne großen Nutzen kauft. „Amiibos“ sind mehr ein Gimmick, das von keinem Spiel wirklich gebraucht wird – Mario, Link und andere sind aber für viele Spieler die größten Helden. Da gibt man gerne ein paar Euro für eine Mini-Version aus.

 

Wenn dann noch Sonder-„Amiibo“ herauskommen, wie der gehäkelte „Woll-Yoshi“, werden die Spielzeugfiguren schnell für Unsummen auf eBay gehandelt – echte Sammlerobjekte eben.

Activisions „Skylanders“ dagegen müssen ohne die Zugkraft großer Lizenzen auskommen. Zwar wurde die Serie als Reboot des Spyro-Franchises gestartet und hin und wieder bekommen Charaktere wie Donkey Kong oder Crash Bandicoot einen Gastauftritt – das Gros der „Skylanders“ sind aber Neuschöpfungen. Pluspunkte sammelt die Serie durch ihren Innovationsdrang – obwohl jedes Jahr ein neuer Titel erscheint, sind neue Ideen jedes Mal spürbar. Zuletzt wurden Fahrzeuge und frei editierbare Charaktere hinzugefügt. Durch diese Fortschritte und einen kindgerechten Humor sind die „Skylanders“ mittlerweile selbst zu einer starken Lizenz geworden – mit eigenen Comics und einer passenden Netflix-Serie.

Warner hat sich gemeinsam mit Lego innerhalb von zwei Jahren zum Platzhirsch im Toy-2-Life-Markt entwickelt. Dabei beruht „Lego Dimension“ insbesondere auf zwei Tugenden der Bausteine: Freiheit und Nostalgie.

 

Jede Erweiterung des Spiels enthält wirklich kleine Lego-Sets zum Aufbauen und nirgends werden so frei Lizenzen miteinander kombiniert. Hier trifft plötzlich Batman auf Harry Potter und zieht durch Mordor. Aber ebenso bekommen auch Knight Rider, Die Goonies oder Zurück in die Zukunft ihre Lego-Version – Serien und Filme, die eher bei Eltern als bei Kindern bekannt sind. Da gleichzeitig der Humor stimmt, ist „Lego Dimensions“ noch viel mehr als „Skylanders“ ein Spiel für die ganze Familie.

Mit dieser friedlichen Koexistenz haben es die drei Firmen geschafft, das perfekte Gleichgewicht zu halten und sich Sammler, Kinder und Eltern untereinander aufzuteilen. Und es wird auch in der nächsten Generation unbeirrt weiter mit dem Spielzeug geplant. Wenn am Freitag die Nintendo Switch erscheint, können die Controller vom Start sowohl „Amiibos“ als auch „Skylanders“ erkennen.

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erstellt am 28.Feb.2017 | 10:36 Uhr

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