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Tourismustag in Husum : Tourismus in SH: Der Norden hinkt digital hinterher

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Breitband, Hot-Spots oder Online-Buchung: In Schleswig-Holstein gibt es für Kommunen und Tourismus-Betriebe noch Nachholbedarf.

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2015 | 16:54 Uhr

Husum | Die Hälfte der Deutschen informiert sich vor einer Reise im Internet, 30 Prozent buchen sie auch online. In zehn Jahren werden die Werte bei mindestens drei Viertel (Information) und gut der Hälfte (Buchung) liegen. Das stellt die Reiseanalyse 2015 fest, die größte jährliche Studie über das Urlaubsverhalten der Deutschen. Doch der Norden ist darauf trotz seiner Eigenschaft als Ferienland alles andere als optimal eingestellt. Das zeigte der 15. schleswig-holsteinische Tourismustag am Donnerstag in Husum. Der allherbstliche Branchen-Treff stand unter dem Schwerpunktthema „Zukunft digital – grenzenlos und chancenreich“.

„Gerade im ländlichen Raum ist E-Tourism noch nicht richtig angekommen“, mahnte Peter Michael Stein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Flensburg. „Viele Anbieter nutzen die Möglichkeiten einer umfassenderen digitalen Vermarktung nicht.“ 2000 Tourismus-Betriebe in ganz Schleswig-Holstein hat die IHK befragt, ob und wie sie sich die virtuelle Welt erschlossen haben. 58 Prozent nutzen demnach Online-Buchungssysteme – aber 42 Prozent nicht. Und es geht wohlgemerkt um gewerbliche Anbieter – nicht um Leute, die nebenbei zwei Gästezimmer vermieten. 19 Prozent der Befragten halten sogar jegliche Form von Online-Marketing, darunter auch eine bloße Web-Präsenz, für unbedeutend.

Nur 31 Prozent der Netz-Aktiven kommunizieren über soziale Medien mit Kunden. 36 Prozent geben einen Newsletter heraus. Blogs und Foren unterhalten sechs Prozent. 43 Prozent der Betriebe arbeiten mit überregionalen Vermarktungsplattformen zusammen, 33 Prozent mit lokalen. 21 Prozent der Firmen setzen eigens einen Mitarbeiter für ihren Online-Auftritt ein, nur sieben Prozent lassen sich von einer Agentur betreuen. Oberstes Ziel der Netz-Aktiven ist es, neue Kunden zu gewinnen – das streben 86 Prozent an. 65 Prozent geht es darum, vorhandene Kunden zu binden. Es klingt an, dass die Touristiker einen Teil ihres Nachholbedarfs auch auf eine mangelnde Infrastruktur zurückführen: 41 Prozent gaben an, sie könnten die Möglichkeiten des Internets mangels Breitband nicht ausschöpfen.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer nahm sich selbst und die Kommunen in die Pflicht, nachzulegen – wenn er auch Schleswig-Holstein immerhin auf Platz 2 der Flächenländer bei Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit sieht. Aber auch Meyer ist klar: „Wer im Netz nicht aufgestellt ist, hat bald keine Chancen mehr.“ Und für Wlan im Hotel teils sogar extra Gebühren zu verlangen – das gehe gar nicht.

Damit aber längst nicht genug. Die Kommunen müssten für drahtlosen Internet-Zugang an allen Stränden sorgen, schärfte dem 400-köpfigen Publikum Eric Horster ein, Tourismusprofessor an der Fachhochschule Westküste in Heide. Es sei entscheidend, reale und virtuelle Welt ineinanderzudenken. Schließlich lege sich der Cyberspace „wie eine zusätzliche Schicht um den Alltag“. Internet-Hotspots seien nicht nur als Service für die Urlauber zentral, sondern ebenso, um sich als Ferienort einen Bekanntheitsgrad zu sichern. Grund: Der Smartphone-Tourist teilt seine Eindrücke vom Urlaubsort in Echtzeit per Foto, Video und Text. Darin sehen Experten wie etwa die Geschäftsführerin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein, Andrea Gastager, wegen der Authentizität einen großen Wettbewerbsvorteil. Zum Tourismustag schaltete die Tash deshalb eine App zu ihrer Marketing-Kampagne vom „Glückswachstumsgebiet Schleswig-Holstein“ frei. Darüber können Einheimische und Gäste ihre persönlichen „Glücksorte“ im Land fotografieren. Sie werden automatisch mit Geo-Koordinaten versehen und auf einer Landkarte gesammelt. Titel: „Das ist Glück.“

Bei aller Notwendigkeit zur Netz-Affinität gab Martin Lohmann, Direktor des Kieler Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa, zu bedenken: Auch Kritik erreiche dadurch einen sehr viel größeren Kreis. Deshalb sein Rat: „Trotz aller Digitalisierung – oder sogar wegen der Digitalisierung noch mehr als bisher – muss im Tourismus zuallererst das Produkt in der wirklichen Welt stimmen.“

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