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Partnervermittlung aus Dänemark : „Sugardaters“: Singlebörse oder Online-Bordell?

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Ein dänisches Portal vermittelt Treffen zwischen jungen Frauen und reichen Männern. Auch Deutsche sind angemeldet.

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erstellt am 18.Apr.2015 | 12:36 Uhr

Kopenhagen | Dates oder die große Liebe – die Online-Partnervermittlung boomt. Ob per App über Tinder und Co. oder kostenpflichtige Vermittlungen wie bei Parship: Die Anbieter von Flirt- und Partnervermittlungsportalen umkämpfen den Markt. Mit all seinen Nischen – und Kontroversen. Aus Dänemark kommt eine Plattform nach Deutschland, die es sich zum Ziel gemacht hat „Sugardates“ zu vermitteln, Treffen zwischen jungen Frauen und wohlhabenden Herren. Im Nachbarland regt sich Protest: Der Seite wird die Vermittlung von Prostitution vorgeworfen.

Offiziell bezeichnet sich „Sugardaters“ als „Plattform für finanziell unabhängige Männer und selbstbewusste und attraktive Single-Frauen, die auf der Suche nach einem gehobenen Lebensstandard sind.“ Kurzum: wohlsituierte Herren schmücken sich mit einer jungen Schönheit. Sie erhält dafür einen gehobenen Lebensstil – in Form von Schmuck, Reisen oder einem Taschengeld. Auch zwischen älteren Frauen und „Toyboys“ wird Kontakt hergestellt, wenn auch wesentlich seltener. 

Das Geld soll in beiden Fällen nicht direkt für Sex fließen. Preisangaben sind verboten, auch anzügliche Fotos sind untersagt. Jedes Bild werde gecheckt. Nackte Brüste – oder gar mehr – dürfen nicht gezeigt werden. In den Tipps für ein gelungenes Profil heißt es aber zweideutig: „Ist Dein SugarDaters-Profil noch nicht perfekt? Dann kannst Du vielleicht ein Bild mit Dir und Deiner Katze hochladen! Laut einem Bild-Artikel werden die Chancen beim Online-Dating mit einer süßen Mieze auf dem Profil-Bild erhöht.“

In Dänemark wird das Thema heiß diskutiert. Mehrere Medien berichteten über die Partnervermittlung in der Grauzone. Die Seite hat dort mehr als 27.000 männliche und mehr als 6100 weibliche Mitglieder. Jeden Monat kommen 1500 neue hinzu. In Deutschland sind 1787 Männer und 2611 Frauen angemeldet.

Bei der Zeitung „Berlingske“ packten zwei Nutzerinnen aus, die sich mit „Sugardaters“ etwas dazu verdient haben. Petra (24) aus Kopenhagen gesteht: „Er gab mir 1000 Kronen für Sex. Ich habe auch Geld für Essen für den Rest des Monats bekommen.“ Für eine Reise in die USA hat sie ihre Frequenz von Sextreffen erhöht. „Ich habe 20000 Kronen verdient. Aber ich hatte Stress.“ Annabel (23) aus Randers bessert ihr Bafög (SU) auf. Meistens nimmt sie 1500 Kronen für einen Abend. Sie sieht sich nicht „wie ein Luder auf der Straße“, sagte sie im Gespräch mit „Berlingske“. Aber sie sei sich darüber im Klaren, dass die Seite tiefer in die Prostitution führen kann. „Hat man sich erst an die wirtschaftliche Freiheit gewöhnt, kann man in sein früheres Leben nicht zurückkehren.“

In Dänemark ist die Seite im Fokus der Justiz. Strafrechtsprofessor Jørn Vestergaard erklärt gegenüber „Berlingske“, dass die Seite gegen den Kuppelei-Paragrafen verstoßen könnte.

Eine Sprecherin der Plattform wehrt sich gegen Vorwürfe. „Das zeigt mal wieder, wie wenig passieren muss, bevor man ins Visier der Behörden kommt“, sagt Fanny Sørensen. „Das Ziel der Seite ist es, eine offene, faire Seite zu führen, bei der Menschen dem Partner die Wünsche und Bedürfnisse vor dem ersten Date klar machen.“ Für viele sei es kein Tabuthema mehr, sexuelle Zuwendung gegen materielle Gegenleistung zu bieten. „Soziale Medien, Mobile-Dating-Apps und das Netz im Allgemeinen tragen zu einer Verschiebung der Grenzen der Jugendlichen bei.“

„Auf den ersten Blick sieht das anrüchig aus“, sagt Stephan Dirks, Fachanwalt für Medienrecht aus Kiel. „Und auf den zweiten Blick auch.“ Strafrechtlich habe die Seite weniger ein Problem, doch nach Zivilrecht könnte „Sugardaters“ Sittenwidrigkeit vorgeworfen werden. Das Problem: Es findet keine wirksame Alterskontrolle statt. Es können sich mit einer falschen Angabe des Geburtsdatums völlig problemlos auch Minderjährige anmelden. Dabei wäre es einfach, eine Teilnahme bei dem Portal über das Post-Ident-Verfahren für Kinder und Jugendliche zu sperren. So jedoch sei die Altersverifikation „Ein Ritt auf der Rasierklinge“.

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