zur Navigation springen

Aufspaltung von Suchmaschinen-Betreibern : Suche, Mail und Co. – es geht auch ohne Google

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Backrezepte oder der kürzesten Weg von A nach B: Google hat Antworten. Doch die Marktmacht der amerikanischen Suchmaschine löst in Europa Widerstand aus.

Wenn es in Deutschland um Web-Suche geht, steht der US-Konzern Google klar an der Spitze. Laut einer Statista-Umfrage wurde Google im September dieses Jahres für 94,8 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland genutzt – ein Quasi-Monopol, das das EU-Parlament gerne auflösen würde. Die Abgeordneten sprechen jedoch nicht von einer Zerschlagung, sondern von einer „Entflechtung“ von Suchmaschinen und ihren weiteren Diensten.

Konkrete Folgen hat das gestern mit großer Mehrheit verabschiedete Papier zur Aufspaltung von Suchmaschinen-Betreibern nicht, es ist vielmehr als politische Stellungnahme zu verstehen. In ihrem Entschluss forderten die EU-Volksvertreter, die Suchergebnisse sollten „frei von Verzerrungen und transparent“ sein. Zudem müssten die EU-Wettbewerbsregeln umgesetzt werden. Damit wandten sich die Abgeordneten auch an die EU-Kommission, die seit längerem gegen Google ermittelt. Google steht im Verdacht, eigene Dienste wie den Kartendienst Maps ungebührlich zu bevorzugen.

Nutzern bieten sich zahlreiche Alternativen für die meisten Google-Dienste:

Suche: Auch Microsofts Bing oder die Suchmaschine Yahoo liefern gute Suchergebnisse. Darüber hinaus gibt es zahlreiche kleinere Anbieter wie Blekko, Startpage, DuckDuckGo oder Qwant. Sie haben alle ihre eigenen Stärken – etwa Auflistung der Suchergebnisse nach Genre, anonyme Suche oder eine besonders gute Videosuche.

Browser: Wer die Adresszeile im Browser Chrome nutzt, nutzt auch automatisch die Google-Suche. Als Alternative bietet sich Mozillas Firefox oder Opera an.

Kartendienst: Als Alternative zum Platzhirsch Google Maps gibt es den offenen Kartendienst „Openstreetmap“. Auch Bing-Maps ist ein brauchbares Angebot, Nokia baut den Kartendienst „Here“ immer weiter auf. Apples in iOS und Mac OS-X integrierte Kartensoftware hat ihre Kinderkrankheiten überwunden.

E-Mail: Gerade beim E-Mail-Versand gibt es unzählige Alternativen zu Gmail – vom Gratisanbieter bis zum bezahlten Konto. Große Anbieter wie Outlook.com bieten einen ähnlichen Funktionsumfang. Wer sichergehen will, dass die eigenen Mails nicht zu Werbezwecken analysiert werden, sollte sich für kleine Anbieter entscheiden, die Mails nicht nur verschlüsselt senden, sondern auch verschlüsselt speichern – wie beispielsweise Posteo, Aikq, ProtonMail oder Startmail.

Video: YouTube ist riesig, doch auch andere Anbieter haben gute Datenbanken und eine aktive Teilnehmergemeinde. So zum Beispiel vimeo.com: Hier gibt es neben Amateurvideos auch zahlreiche Uploads von Künstlern und Musikern. Dailymotion aus Frankreich bietet gut sortierte Themenkanäle. Wer sich besonders für Musik interessiert, sollte tape.tv ausprobieren.

Dokumentensuche: Statt Google Scholar für die Suche nach Forschungstexten zu nutzen, können Studenten auch auf Suchdienste wie BASE (Bielefeld Academic Search Engine) zurückgreifen.

Übersetzung: Google Translate ist praktisch und einfach zu bedienen. Auf Webseiten wie leo.org, dict.cc oder dem Übersetzungsangebot von Pons gibt es ebenfalls Hilfe.

Was Europa von Google will

Warum hat Google Scherereien mit der EU?
In Europa sehen sich Konkurrenten von spezialisierten Suchmaschinen benachteiligt, weil Google bei den Ergebnissen eigene Dienste bevorteile. Der Konzern kontert, man arbeite für Verbraucher, nicht für andere Suchmaschinen.

Warum bleibt Google bei seinem Vorgehen?
Der Internet-Riese will Nutzern verstärkt direkte Antworten statt Link-Listen liefern.  Als Kompromiss schlug Google unter anderem vor, Konkurrenzdiensten mehr Platz einzuräumen.

Wie kann der Streit für die Verbraucher ausgehen?
Schlagen die EU-Wettbewerbshüter einen harten Kurs gegenüber Google ein, könnte der Konzern seine Website – zumindest für Verbraucher in Europa – wieder wie vor einigen Jahren aussehen lassen. Kunden, die fertige Antworten von Google gewohnt sind, würden das merken.

Hat es Google in Europa  schwerer als in den USA?
Google steht in Europa unter erheblichem politischem Druck. Deutsche Verlegerverbände versuchen, ein sogenanntes Leistungsschutzrecht für die Verwendung von Inhalte-„Schnipseln“ durchzusetzen. Hinzu kommt das „Recht auf Vergessen“. Der Europäische Gerichtshof hatte geurteilt, dass Bürger von Suchmaschinen verlangen können, Links zu unangenehmen Dingen aus ihrer Vergangenheit zu entfernen. dpa

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen