zur Navigation springen

Osterfeuer auf Sylt : Sturm im Funkloch – Wo die Mobilfunknetze an ihre Grenzen geraten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

GSM-Basisstationen sollen mittlerweile 99 Prozent des Bundesgebietes abdecken. Das restliche Prozent müssen Schleswig-Holsteins Küsten sein, meint Ralf Henningsen.

Sylt | Ich hätte durchdrehen können. Osterfeuer an Buhne 16, hunderte Menschen um uns herum, es regnet in Strömen. Den kalten Wind im Nacken, die klitschnassen Klamotten auf der Haut. Jetzt lieber schnell zurück in die warme Stube. Nur – die Kinder toben mit ihren Freunden irgendwo am Strand, zwischen Dünen und Nordsee, sind in dem Gewusel nicht zu finden. Zwar hat jedes ein Smartphone in der Tasche, doch erreichbar ist keines. Wir stecken im Funkloch, hier am Strand im Sylter Norden, genauso wie zahllose andere Menschen, die zu Ostern einen Spaziergang an Nord- und Ostsee unternehmen wollen.

Techniker werfen an dieser Stelle ein, dass das Phänomen Funkloch eine sehr subjektive Wahrnehmung ist, abhängig vom örtlichen Ausbau der vier deutschen Handynetze und dem eigenen Sendeempfänger. Allerdings – wir und die Kinder machten in allen vier Netzen die gleichen frustrierenden Erfahrungen, empfingen weder GSM- und UMTS- und schon gar keine LTE-Signale.

Seit 1992 gibt es in Deutschland digitale Handynetze, die GSM-Basisstationen sollen mittlerweile 99 Prozent des Bundesgebietes abdecken. Das restliche Prozent müssen Schleswig-Holsteins Küsten sein.

Die Netzbetreiber sind keine Wohltätigkeitsvereine, auch nicht die Deutsche Telekom. Sie bauen ihre Netze dort aus, wo die größte Nachfrage herrscht. Wer etwas anderes will, muss das beim Verkauf der Sendelizenzen festlegen. Zum Glück wurde bei den LTE-Frequenzauktionen daran gedacht: Bis 2018 muss das LTE-Netz in der Fläche ähnlich dicht gestrickt sein wie heute das GSM-Netz. Schließlich hat Verkehrsminister Dobrindt im Mai 2015 „das Ende aller Funklöcher in drei Jahren“ versprochen. Ein Versprechen, bei dem Techniker genauso mit dem Kopf schütteln wie bei den Abgaswerten im VW-Prospekt.

Bleibt also nur, aus der Not eine Tugend zu machen. Liebe Freunde bei der Tourismusagentur, werbt doch offensiv mit der funktechnischen Abgeschiedenheit im „echten Norden“. Elektrosensible Touristen sind eine wachsende Zielgruppe, die Alu-Hut-Fraktion ist durchaus zahlungskräftig. Unendliche Stille statt endlosem Whats-App-Geplapper, Kontemplation statt Kommunikation. Und Handyverbrennung statt Osterfeuer...

zur Startseite

von
erstellt am 29.Mär.2016 | 07:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen