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Nagars Netzwelt : StudiVZ: In einem Netz vor unserer Zeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das einst beliebteste soziale Netzwerk wird zehn Jahre alt. Ein Nachruf.

von
erstellt am 13.Nov.2015 | 11:21 Uhr

Es ist wie eine Expedition in eine vergessene Welt. Archäologen müssen sich ähnlich fühlen, wenn sie mit Pinselchen Staub von Tonscherben wedeln. Mit einem alten, geheimen Codewort kommt es zum Vorschein. Rot wie damals, als die sozialen Medien gerade Laufen lernten. StudiVZ wird zehn Jahre alt – und hat sich zur Geisterstadt entwickelt. „Nichts Neues“, steht bei den vielen Nutzern unter Neuigkeiten. Die aktuellsten sind Mails von Leuten, die ihr Profil löschen wollten. Von 2012. Und doch: Als wir in der Redaktion noch einmal in unsere brachliegenden Konten eincheckten, hatte das ein ähnliches Nostalgie-Kribbeln wie die Wiederentdeckung einer alten Musikkassette.

Dabei war StudiVZ mit seinen Ablegern vor wenigen Jahren in Deutschland das meistgenutzte soziale Netzwerk. Studenten schauten, wer in Vorlesungen neben ihnen saß. Man tauschte sich in Gruppen mit absurden Namen aus – über Profs und Skurrilitäten des Alltags. 

16 Millionen Nutzer waren zu den besten Zeiten dabei, mit dieser Zahl von 2011 wird immer noch geworben. Ob das nun realitätsfern oder mitleiderregend ist, kann man diskutieren. Doch was hat sich verändert? Der Exodus setzte ein, als Facebook ab 2008 immer mehr auf den deutschen Markt drängte. Viele Nutzer hatten ja noch internationale Kontakte zu verwalten, aus dem Erasmus-Semester, von Reisen oder dem High School Jahr. Bei StudiVZ waren die nicht. Den Kampf der Platzhirsche gewann bekanntermaßen Facebook. Denn für mehrere Netzwerke hatten viele keinen Nerv.

Mittlerweile würden sich viele Facebook-Nutzer sicher ein Netzwerk wünschen, das seinen Standort in Deutschland hat – und eine kleine, gemütliche Firma ist und kein undurchschaubarer Datenkraken. Es wäre also konsequent zurückzukehren. Doch StudiVZ ist wie diese alte Musikkassette. Man hört nochmal rein und schmunzelt über den damaligen Geschmack, aber zum heutigen Alltag passt es nicht. Ein soziales Netzwerk ist eben keines, wenn das Soziale fehlt.

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