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Kläseners Netzwelt : Stress mit der Netikette

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Safety first“ mag für besonders Kundige gelten – wichtiger ist aber ein gepflegter Umgang miteinander.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 17:23 Uhr

Es gibt keine Sicherheit im Netz. Das sage ich bei jeder Gelegenheit, wenn mir kundige Digitalhamster erklären, was ich auf meinem Handy zu tun oder zu unterlassen hätte. Beispielsweise meine Kinder – die raufen sich die Haare, wenn sie den Alten auf dem Tablet herumtasten sehen, so wie ich früher, wenn ich mit dem Fahrstil meines Vaters nicht immer einverstanden war. Safety first – das habe ich mittlerweile aufgegeben, was mir gelegentlich merkwürdige Links für Hörgeräte und Brustvergrößerungen einträgt. Beides habe ich bislang abgelehnt.

Eines nehme ich allerdings ernst: Wir benötigen eine Netikette. Einen Knigge für den Digitalverkehr, und der sollte sich an dem orientieren, was der alte Knigge aus guten Gründen für den analogen, menschlichen Umgang miteinander vorsah.

Eine Mail sollte eine Anrede haben und eine Grußformel am Schluss. Sie sollte nicht geschwätzig sein und schon gar nicht einen zweistelligen Verteiler beinhalten, denn dann sind alle gemeint und damit keiner. Von Ferdinand Piëch ist übermittelt, dass er Manager rausschmeißen ließ, wenn sie zu große Verteiler bei wichtigen Mitteilungen wählten. Argument: Sie übernähmen keine Verantwortung, sondern verteilten sie auf eine Gruppe. Solche Leute kann man nicht brauchen.

Absolut unartig sind auch Flapsigkeiten oder persönliche Anspielungen, die vielleicht lustig gemeint sind, in einem größeren Verteiler aber sehr merkwürdig klingen können. Oder der Klassiker: Im Verteiler steht jemand, der in der entsprechenden Mitteilung kompromittierend erwähnt wird.

Es gibt eigentlich nur eine Faustregel: Jeder schreibe seine Mitteilungen in jenem Tonfall, wie er selbst auch angeschrieben werden möchte. Das ist die berühmte Goldene Regel. Und jeder denke immer daran, ob er seine Mail noch einmal abschicken würde, wenn er wüsste, dass sie einmal öffentlich wird. Jeder und jede hat mutmaßlich schon mal eine Mitteilung versendet, die jetzt im digitalen Orkus schwimmt und die er nie und nimmer öffentlich haben möchte.

Am Ende ist es im digitalen wie im wirklichen Leben: Höflichkeit und gute Manieren schaden nie.

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