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Nagars Netzwelt : Steemit: Für Likes bezahlt werden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mithilfe einer sozialen Plattform soll eine digitale Währung an Gültigkeit und Geltung gewinnen.

Zunächst klingt es nach einem Modell, das die Alarmglocken schrillen lässt: Die Plattform „Steemit“ möchte ihren Nutzern nicht nur kostenlos ein soziales Medium bieten, sie möchte sie für erfolgreiche Posts bezahlen. Wie viel, bestimmen die anderen Nutzer über eine Art Voting: Gefällt der Beitrag, bekommt er mehr Geld. Gefällt er nicht, weniger. Eine wahre Goldgrube für Katzenfilmproduzenten  und Verfasser von Verschwörungstheorien. Allerdings klingelt nicht jeden Monat der Steemit-Vertreter, lobt die neue Porzellanclown-Deko, knabbert Kekse weg und hinterlässt Krümel und ein paar Euros. Der Zahlungsverkehr funktioniert in der bislang eher unbekannten digitalen Währung „Steem“, die man in die etwas bekanntere Währung Bitcoin umtauschen kann. Kryptowährungen nennt man diese virtuellen Werte und weiß dabei nie genau, ob sie das überhaupt sind: Werte.

Nun haben sich Bitcoins schon an einigen Stellen etabliert. Im Darknet soll damit ein munterer Warenaustausch ablaufen und das kleine Schweizer Städtchen Zug akzeptiert in einem Pilotversuch Bitcoin für Zahlungen von unter 200 Franken. Laut der Seite Coinmap.org wird die digitale Währung in Schleswig-Holstein immerhin an zehn Stellen akzeptiert. In Hamburg an 17.

Die Coinmap zeigt, wo mit Bitcoins gehandelt werden kann.

Die Coinmap zeigt, wo mit Bitcoins gehandelt werden kann.

Foto: Screenshot: shz
 

Und ist es nicht das, was eine Währung ausmacht: Dass irgendjemand mir für diese abstrakte Zahl etwas Konkretes gibt? Wie einst bei der Einführung von Wechseln entsteht im Netz ein neues System der Werte. Nicht von Fürsten oder Staaten herausgegeben sondern von Leuten, die sich mit irgendwelchen Blockchain-Daten herumplagen mögen und damit natürlich steinreich  - in (noch) echtem Geld - werden möchten. Die Bundesrepublik sieht Bitcoin immerhin als „Privatwährung“ an.

Doch eine Währung erhält ihren Wert durch Handel. Dadurch, dass ich mir mit den 34,92 Steem Dollar für meinen schlecht gereimten Poetry-Slam-Beitrag anschließend im Onlineshop den ersehnten Porzellanclown kaufen kann. Der Kurs von Steem ging steil nach oben, nachdem die Plattform Steemit im Juli ins Netz ging – und fiel danach wieder. Aber der Schneeballeffekt setzt ja vielleicht noch ein. Genau darauf setzen die Initiatoren des Systems. Darauf, dass für die Währung eine breite Akzeptanz aufgebaut wird. Die Soziale Plattform Steemit ist also wohl gar kein altruistischer Vorschlag, Bloggern ein Finanzierungsmodell zu bieten, sondern ein Vehikel, die Kryptowährung in die breite Masse zu bringen.

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich noch zeigen. Zwischen dem großen Wurf und der platzenden Luftblase ist noch alles drin. Die Skepsis gegenüber Kryptowährungen ist jedenfalls groß – denn Währungen beziehen ihre Wert nicht nur aus dem aktuellen Handel, sondern auch daraus, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Wert auch länger behalten. Dass die Inflation nicht alles auffrisst. Aus etwas, das sich nicht so leicht in Ziffern ausdrücken und in Blockchain berechnen lässt: Vertrauen und Verlässlichkeit.

Immerhin: Der Ökonom Friedrich August von Hayek sprach schon in den 1970er Jahren eine Denationalisierung der Währungen, um Inflationen und Finanzkrisen zu vermeiden.

 
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erstellt am 08.Dez.2016 | 14:49 Uhr

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