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Rechenzentrum in Nordfriesland : Start up „Windcloud “ – Ein grüner Speicher für die Daten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sicher, günstig und grün: Ein Start up baut im nordfriesischen Braderup ein Rechenzentrum, das ausschließlich mit regenerativer Energie betrieben wird.

Frischer Wind fegt über den Bürgerwindpark Braderup-Tinningstedt hinweg. Das liegt nicht nur am Wetter. Karl Rabe und Bastian Springer haben eine Vision. Sie wollen mit ihrem Start up „Windcloud“ die Welt des Cloud-Computing aufmischen, von Nordfriesland aus.

In unserem Alltag und in Unternehmen fallen immer größere Datenmengen an. Um sie zu speichern, braucht es große Server. Das ist nicht gerade umweltfreundlich, denn die Kühlung der Geräte frisst viel Energie.

Ein besonderes Rechenzentrum soll hier am Rand der rund 700-Seelen-Gemeinde auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern entstehen. „Die Unternehmen werden nicht darum herum kommen, Daten auszulagern“, sagt Rabe. Zu teuer sei die nötige Hardware und die damit verbundene Wartung und insbesondere die Kühlung der Geräte. Sie legen Informationen und Datenpakete in der Cloud ab – senden sie also über eine verschlüsselte Datenverbindung an die physisch im Braderuper Rechenzentrum vorhandenen Server. Dort werden die Daten dann verschlüsselt und gespeichert – nach deutschen Datenschutzbestimmungen. Bei Bedarf können sie jederzeit vom Kunden abgerufen werden.

Cloud-Computing an sich ist für viele Firmen nicht mehr neu. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom nutzte 2015 erstmals eine Mehrheit der Unternehmen (54 Prozent) in Deutschland Cloud-Angebote.

Ein Zug, auf den die Jungunternehmer nun aufspringen. Und doch machen sie es anders. Das Besondere an ihrer Idee: sie ist grün. Die Energie zum Betreiben des Rechenzentrums soll komplett aus regenerativen Quellen kommen: Wind, Sonne, Biogas. „Die Energie ist da“, sagt Rabe. Und weil auch die Infrastruktur bereits da ist und somit ausschließlich eigenproduzierte Energie genutzt werden kann, könne man die Dienste vergleichsweise günstig anbieten, erklärt er. Unschlagbare Argumente für den Standort Braderup. Außerdem: Wenn alle Stricke reißen, besteht immer noch die Möglichkeit, an das reguläre Netz zu gehen. „Die Server müssen laufen“, sagt Rabe. Also müsse man dorthin gehen, wo die Rohstoffe sind – in diesem Fall nach Nordfriesland, weiß der in der nordfriesischen Gemeinde Reußenköge geborene Rabe.

Startnext-Kampagne Windcloud "echt grün surfen" from Bastian Springer on Vimeo.

 

Bereits im Jahr 2013 machte der Bürgerwindpark als Innovationsschmiede von sich reden: Da es selbst im Norden Tage gibt, an denen der Wind nicht weht, erprobte man hier die Speichermöglichkeiten der großen Hybridbatterien: „Wir wissen jetzt, dass man Windenergie speichern kann“, sagt Jan-Martin Hansen, Windpark-Pionier und Mitgründer von Windcloud.

Bevor es richtig losgeht, müssen die Jungunternehmer aber noch kräftig zupacken: Für den Anfang sollen zwei große ISO-Container als Unterkunft für rund 400 Rechner dienen. Die Behausung für die Technik wird gerade aufgemöbelt. Mitte Juni sollen sie auf das Gelände des Windparks neben den Speicherbatterien umziehen, der Betrieb richtig durchstarten. Dann soll auch die Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Startnext beendet sein, die neben einer Teilfinanzierung für mehr Aufmerksamkeit für das Start up sorgen soll. Angesprochen werden sollen vor allem andere Start ups, kleine und mittelständische Unternehmen sowie IT-Unternehmen. Aber auch Anfragen großer weltweit agierender Konzerne gebe es schon,sagt Rabe. Aber man wolle Schritt für Schritt wachsen, angestrebt werde ein Ausbau des Rechenzentrums auf eine Leistung von 1,5 Megawatt sowie ein weiteres Rechenzentrum in einem anderen Windpark in den nächsten zweieinhalb Jahren. „Energie ist hier ja genug.“

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erstellt am 03.Jun.2016 | 18:30 Uhr

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