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Ostsee-Fans : Start-up gegen den Plastikmüll

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Lübecker Portal Ostsee-Fans.de will beides: Touristen in die Region holen und sich für den Umweltschutz einsetzen.

Lübeck | Manchmal führen die einfachsten Ideen zum eigenen Unternehmen: Die Ostseeküste ist ein beliebtes Ziel vieler Urlauber aber gleichzeitig von zunehmender Verschmutzung bedroht. Warum also nicht Tourismus und Umweltschutz kombinieren? Diese Frage stellten sich die Lübecker Ulrike Klemens und Timur Kestelli. Nach ausführlicher Probephase hat ihr neues Start-up jetzt Fahrt aufgenommen. Ostsee-Fans sind beide seit Jahren, und so heißt dann auch ihre Homepage: www.ostsee-fans.de.

Gastgeber können auf dem Portal freie Zimmer inserieren und potentielle Gäste ihren Urlaub dort buchen. Wie die Umwelt davon profitiert, erklärt Timur Kestelli: „Jedes Hotel zahlt für eine erfolgreiche Vermittlung eine Prämie von zehn Prozent. Die Hälfte davon fließt in den Betrieb unserer Plattform, die andere Hälfte geht an Umweltprojekte. Den Urlauber selbst kostet das keinen Cent zusätzlich.“ Die Vier Jahreszeiten-Hotels sind im Boot, Best Western, Phönix, Loev, Iberotel. Mit insgesamt 15 ausgewählten Häusern sind die Ostsee-Fans in eine erste Phase gestartet.

Ulrike Klemens und Timur Kestelli mögen es hell und weit. Schon das Büro der Ostsee-Fans in der Lübecker Altstadt erzählt einiges von der Begeisterung für das Phänomen Meer. Ein Liegestuhl gehört zur Ausstattung und eine Hängematte. Viel Muße, hier zu relaxen, haben beide in den vergangenen Monaten indessen nicht gehabt. Die Diplom-Betriebswirtin und der Medienberater haben reichlich Zeit in ihr neues Unternehmen gesteckt – neben der übrigen Arbeit. Was sie treibt? „Die Lust auf Ostsee und Online“, sagt Kestelli und vermeidet jedes Pathos, wenn der Umweltgedanke ins Spiel kommt, denn erhobene Zeigefinger und Katastrophen-Szenarien sind genau das, was sie vermeiden wollen. Dabei sind die Zahlen, die das Unternehmer-Duo parat hat, erschreckend: „20.000 Tonnen Müll wandern schätzungsweise jedes Jahr in die Ostsee.“ Doch statt im Klagen zu verharren, haben beide diese Fakten zusammen mit den rund 24 Millionen Übernachtungen an der gesamten deutschen Ostseeküste zu einer zwingenden Logik verknüpft: Müll im Meer ist nicht nur für Flora und Fauna bedrohlich, sondern auch für den Tourismus. Und so begannen Klemens und Kestelli zunächst mit einem Blog, dann wurde eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts daraus, die nun wiederum mit einem Buchungsportal an den Start gegangen ist.

Qualität erklären die Ostsee-Fans zu ihrem obersten Gebot. Die soll nicht nur für die Nutzbarkeit der Plattform selbst, sondern auch für die recherchierten Inhalte gelten, die wollen sie auch den Urlaubern bieten. Jeder Ort, den sie beschreiben, jedes Restaurant, jedes Café, das als Tipp auf dieser Seite landet, ist getestet, versichern sie. „Wir schreiben nur, was wir mit gutem Gewissen empfehlen können“, sagt Ulrike Klemens. Hunderte von Küstenkilometern hat das Duo schon gesehen. Entstanden sind dabei nicht nur Berichte aus Kappeln an der Schlei oder Burg auf Fehmarn, sondern auch aus kleinen verträumteren Ortschaften wie Sehlendorf im Kreis Plön oder Dierhagen im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Welche Umweltprojekte die Ostsee-Fans derzeit unterstützen, ist auf der Internetplattform ebenfalls dokumentiert. Das 2011 vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) initiierte Projekt „Fishing for Litter“ gehört dazu, bei dem etwa 70 Fischer an der gesamten Ostseeküste Müll aus dem Meer fischen; das Spülsaummonitoring, bei dem der NABU an repräsentativen Küstenabschnitten mehrmals jährlich registriert und analysiert, was wo weggeworfen und angespült wird; lokale Reinigungsaktionen; Informations- und Bildungsveranstaltungen.

Ob die Ostsee-Fans selbst einen Lieblingsort haben? Damit wollen Sie nicht recht heraus. Nein, sagt Klemens, „wenn, dann gibt es die Lieblingsbeschäftigung, die Ostsee immer wieder neu zu entdecken“. Und dafür gibt die deutsche Ostseeküste je nach Messung etliches an Länge her. Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie kommt auf 1900 Kilometer. Viel Platz für Erholung und für Umweltschutz.

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