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Fligges Netzwelt : Spieglein, Spieglein ...

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Webseiten lassen das Aussehen von Menschen durch Algorithmen bewerten.

von
erstellt am 13.Jan.2016 | 18:40 Uhr

Wer ist die Schönste im ganzen Land? Schon in den alten Märchen wird diese Frage gestellt. Sie ist zeitlos, wenn sich auch der Umgang mit ihr wandelt. Ich zum Beispiel bin regelmäßig verwundert, wenn ich auf Facebook über Fotos meiner noch schulpflichtigen weiblichen Verwandtschaft stolpere. „HÜBSCHEEEE“, „soo schön!!“, „Süßeste“ und unzählige Herzchen stehen als Kommentare unter Fotos.

Es ist die Frage aller Fragen: Wie kommen ich und mein Aussehen an? Und natürlich kann man dazu mittlerweile auch das Netz befragen. Die Seite „Hot or Not“ ist ein alter Hut. Dort haben noch Menschen aus Fotos den attraktiveren Kandidaten gewählt. Aktuell wird die Internetseite „Howhot“ – wie heiß bist du? – durch das Netz gejagt. Auf www.howhot.io kann man ein Foto hochladen und Software berechnet, wie attraktiv die abgebildete Person ist. Sechs Kategorien gibt es von „gottgleich“ über „heiß“ bis „Hmm ...“. Das sorgt für Erheiterung. Bei mir nicht. Mein Konterfei erreicht die aufbauende Wertung „Ok“. Im Internet finde ich das Foto eines Katzenhinterns, der die Wertung „heiß“ schafft. Hmm ...

Was soll das? Mal abgesehen davon, dass sich auch Bilder anderer Personen bewerten lassen (Ergebnis für Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, Wertung: Ok). Es ist eine Spielerei. Die Technik dahinter, das maschinelle Sehen, kommt aber häufig zum Einsatz. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir immer öfter automatisiert bewertet werden.
Von der Dating-Plattform „Tinder“ wurde jetzt bekannt, dass jeder Nutzer insgeheim nach seiner Attraktivität bewertet wird. Medien berichten, dass so Menschen ähnlicher Attraktivität zusammengebracht werden sollen. Die Schönen zu den Schönen, die Hässlichen zu den Hässlichen? Herzlichen Glückwunsch, Tinder. Du bist ein weiteres Stück gruseliger geworden.

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