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Social Media in China : Sozialer Druck und Spitzel-Fotos: Wie WeChat beim Rauchverbot helfen soll

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Peking sagt Rauchern den Kampf an – und möchte das auch durch sozialen Druck umsetzen. Mit Zeichensprache und dem WhatsApp-Pendant WeChat.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2015 | 13:54 Uhr

Peking | Das neue Rauchverbot in Peking tritt zwar erst im Juni in Kraft, aber schon jetzt unternimmt die Regierung Versuche, das Thema in den Alltag zu integrieren. Mit Zeichensprache soll man Raucher, die sich trotz Verbot im Restaurant eine anzünden, dezent auf ihren Fehltritt aufmerksam machen. Und wenn sich jemand nicht an die Zurechtweisung hält, wird eine Meldung über WeChat fällig – dem beliebtesten Sozialen Netzwerk in China. Das berichtet das Wall Street Journal.

China ist weltweit der größte Tabak-Konsument: Etwa 350 Millionen Chinesen sind Raucher. Rauchen gilt bislang als sozial gut akzeptiert und Zigaretten sind ein gern gesehenes Geschenk.  Bisherige Versuche, das Rauchen zu bekämpfen, scheiterten weitestgehend.  Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr über sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Durch Passivrauchen sterben jährlich weltweit etwa 600.000 Menschen, davon alleine 165.000 Kinder.

Die Regierung veröffentlichte den Account Smoke Free Beijing auf WeChat, an denen Filme und Fotos mitsamt den Namen renitenter Raucher gesendet werden können. Außerdem sollen die Chinesen über eine neue Geste abstimmen, mit der man Raucher stoppen kann. Eine Art „Time-Out“-Zeichen mit zwei Fingern, eine über Nase und Mund gehaltene Hand oder das Entgegenstrecken der Handfläche stehen zur Auswahl.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass China WeChat nutzt, um Gesundheitsthemen zu vermarkten. Anfang März wurde ein Account zum Thema Schweinegrippe eingerichtet, der über die Krankheit und den Schutz davor informiert. Auch Comics, die Tipps für ein gesundes Leben geben, werden von dem WhatsApp-Pendant veröffentlicht.

 

Nach Angaben des Unternehmens hat WeChat über 355 Millionen aktive Nutzer. Der Großteil von ihnen lebt in der Volksrepublik. Dort sind Anwendungen wie Facebook und Twitter gesperrt. WhatsApp ist zwar nutzbar, reicht aber mit seinen Nutzerzahlen nicht an die chinesische Variante heran. WeChat ist mit seinen erweiterten Funktionen dort mehr als nur ein Messenger. Das gesamte digitale Leben wird über WeChat organisiert.

Kritiker sehen die Spitzel-Taktik mithilfe von WeChat skeptisch. Die Methode, Bürger zur gegenseitigen Kontrolle einzusetzen, wurde in China bereits während der Kulturrevolution eingesetzt, als Nachbarn angehalten waren, Gegenbewegungen zu melden.

Das neue Rauchverbot in Restaurants, Bars und anderen öffentlichen Räumen gilt ab 1. Juni. Das Gesetz sieht Strafen vor, denn es nicht eingehalten wird: Maximal 200 Yuan (etwa 30 Euro) für Personen und 10.000 Yuan (Mehr als 1500 Euro) für Firmen und Organisationen.

 

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