Lorenz’ Netzwelt : Software aus zweiter Hand

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Teilen, verschenken oder tauschen: Shareconomy ist hip. Sogar gebrauchte Software geht inzwischen über den Tisch.

shz.de von
16. Oktober 2014, 05:30 Uhr

Als ich ein Kind war, haben wir getauscht, was das Zeug hält. Murmeln, Spielekarten oder einfach nur das, was uns so im Kopf herumging. Kein Wunder also, dass die ganze Shareconomy mit meiner Generation und dem Internet so richtig Fahrt aufgenommen hat. Autos, Wohnungen und sogar Kleidungsstücke werden geteilt – oder gehen als Second-Hand-Artikel über die Ladentheke. Und Letzteres ist heute bei kaum einem Produkt so attraktiv wie bei Software. Abnutzungserscheinungen kennt sie nicht. Die Lebensdauer beläuft sich auf sehr viele Jahre – grob geschätzt unendlich.

Die Firma UsedSoft hat daraus ein Geschäft gemacht und versorgt Firmen, Organisationen und Kommunen mit gebrauchter Software und den zugehörigen Lizenzen.

Ein neues Betriebssystem für die Amtsstube? UsedSoft liefert – weit unter Einkaufspreis. 150 Kommunen zählt UsedSoft inzwischen nach eigenen Angaben zu seinen Kunden. Tendenz steigend – was in Zeiten von Sparzwang und Schuldenbremse nicht überrascht.

Ebenso wenig überrascht, dass es dabei Nörgler gibt: Microsoft – um dessen Produkte es bei UsedSoft hauptsächlich geht – hat sich erfolglos durch alle Ebenen geklagt. Gerichte haben immer wieder festgestellt, dass Software nicht anders zu werten ist wie zum Beispiel ein Buch. Wobei: Einen Unterschied gibt es natürlich. Bücher sind zu Ende geschrieben, für Microsoft-Produkte gilt das eher selten.

Und dass ich als Kind eine halbfertige Murmel getauscht oder eine unbedruckte Spielekarte im Second-Hand-Laden erstanden hätte, ist zweifelhaft.

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