Filme und Serien online gucken : So will der Streaming-Dienst Netflix die Welt erobern

Netflix-Chef Reed Hastings.
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Netflix-Chef Reed Hastings.

Netflix investiert in diesem Jahr drei Milliarden Dollar in eigene Filme und TV-Serien. Gründer und Chef Reed Hastings über Risiken, das Geschäftsmodell und europaweite Lizenzen.

shz.de von
15. Mai 2015, 09:35 Uhr

Herr Hastings, was haben Sie in sechs Monaten über deutsche Kunden gelernt?

Sie schirmen ihre Kinder gern vor Werbung ab, das ist für sie ein wichtigeres Argument für einen Dienst wie Netflix als für Nutzer in anderen Ländern. Inhalte für Kinder werden entsprechend stark nachgefragt. Bei Erwachsenen ist zum Beispiel „Better Call Saul“ populär, wahrscheinlich weil der Vorläufer „Breaking Bad“ so erfolgreich war.

In Deutschland laufen aber neue Folgen einer Ihrer wichtigsten Serien, „House of Cards“, zunächst beim Bezahlsender Sky. Wird das auch bei künftigen Staffeln so sein?

Ja, das wird bis zum Ende der Serie so bleiben. Wir konnten uns damals die internationalen Rechte nicht leisten.

Sie sagten vor einiger Zeit, klassisches lineares Fernsehen werde in 15 bis 20 Jahren aussterben. Bleiben Sie bei dieser Prognose?

Ja, lineares Fernsehen wird im Niedergang sein wie die Festnetz-Telefonie nach der Ausbreitung von Handys. Die heutigen Sender werden sich zu Internet-Netzwerken wandeln. Sport wird ein wichtiger Treiber sein. Auch ein Sender wie das ZDF wird in der Zukunft über das Internet übertragen.

Wird Netflix für Sportrechte mitbieten?

Nein. Wir werden uns auf Serien und Filme konzentrieren. Sport ist sehr teuer. Aber wir wollen schnell international wachsen. Als wir in Deutschland vor sechs Monaten starteten, hatten wir etwa 15 Millionen Nutzer außerhalb der USA, jetzt haben wir 20 Millionen. Wir sind jetzt in 50 Ländern und wollen in den nächsten 18 Monaten auch in den restlichen 150 verfügbar sein.

In Europa will die EU-Kommission dafür sorgen, dass Medieninhalte über Ländergrenzen hinweg ohne sogenanntes Geoblocking verfügbar sind. Sind Sie bereit dafür?

Wir hätten gern europaweite Lizenzen. Wir werden in eineinhalb Jahren überall in Europa verfügbar sein, das wird uns nicht schaden. Und bei Sendungen, die wir selbst produzieren, halten wir es jetzt schon so. Grundsätzlich eine schwierigere Frage ist, ob Behörden so etwas vorschreiben sollten.

Die EU-Kommission will auch gleiche Rahmenbedingungen für Telekom-Anbieter und Internet-Firmen. Die Netzbetreiber beschweren sich, dass Online-Unternehmen in ihrer Infrastruktur Geld verdienen, ohne sich am Aufbau zu beteiligen. Und Netflix gilt als große Daten-Schleuder.

Deren Kunden wollen Netflix nutzen, deswegen holen sie sich auch teurere Verträge mit höherer Internet-Geschwindigkeit. Die Telekom-Firmen wollen als gute Kapitalisten diese Erlöse behalten und uns gleichzeitig zur Kasse bitten. Das ergibt keinen Sinn. Richtig ist aus unserer Sicht: Die Telekom-Betreiber zahlen für das Netz, wir zahlen für die Inhalte – und der Kunde entscheidet, zu welchem Dienst er geht. Das ist Netzneutralität, wenn der Kunde entscheidet.

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