Profi-Tipp : So gelingt das Smartphone-Foto

Auch Fotograf Marcus Dewanger schätzt die kleine Kamera im Smartphone.
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Auch Fotograf Marcus Dewanger schätzt die kleine Kamera im Smartphone.

Wie Verbraucher mit den kleinen Alleskönnern scharfe und interessante Bilder machen können.

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17. Juni 2014, 04:00 Uhr

Telefonieren, Surfen, Fotos machen – das Smartphone ist das Schweizer Taschenmesser unter den technischen Geräten. Schon jeder zweite Deutsche nutzt heute einen solchen Alleskönner für die Hosentasche, erfuhr der Technikverband Bitkom jüngst in einer Umfrage.  Zu den wichtigsten Funktionen gehört neben dem Telefonieren die Kamera. Smartphone-Fotos dokumentieren das Leben ihrer Besitzer und die Geräte versammeln deshalb nicht selten viele wertvolle Erinnerungen. Hersteller wissen das und legen großen Wert auf eine gute Kamera-Technik.

„Die neueren Geräte haben heute super Kameras, die weit mehr Qualität liefern, als es früher analoge Kompaktkameras konnten“, sagt Marcus Dewanger. Der Fotograf ist für den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag tagtäglich mit professioneller Ausrüstung auf der Suche nach den besten Motiven aus dem Norden. Trotzdem macht der Profi privat auch gerne Bilder mit dem Smartphone: „Man hat es immer dabei und kann sehr kreativ sein.“ Deswegen sei die Technik auch ein hervorragender Einstieg in die komplexe Materie der Fotografie. Hersteller werben um die Zielgruppe der (Hobby-)Fotografen mit immer besserer Technik wie besonders hochauflösenden Sensoren (siehe Infokasten). Technik alleine, so Dewanger, reicht jedoch nicht aus, um scharfe und interessante Bilder zu machen. Wie bei einer normalen Kamera muss man auch hier einige grundlegende Regeln der Fotografie beachten.

Ungeübten Smartphone-Fotografen macht häufig die Sonne einen Strich durch die Rechnung. Die Bilder sind über- oder unterbelichtet. „Fotografie heißt, mit Licht zeichnen“, beschreibt Marcus Dewanger die besondere Bedeutung der Beleuchtung. Klassischerweise sollte deshalb die Lichtquelle nicht vor, sondern hinter dem Smartphone stehen. Fehlendes Zubehör wie Objektive oder starke Blitzgeräte machen das Handy sehr abhängig von den Bedingungen, die die Umgebung vorgibt. Sind der Hintergrund zu hell und Personen um Vordergrund zu dunkel, helfe es meistens, den Blitz einzustellen. Geschieht dies nicht automatisch, können Nutzer den Blitz bei fast allen Geräten manuell einschalten. Das Motiv darf dabei aber nicht zu weit entfernt stehen: „Smartphones verwenden einen klassischen Zwei-Personen-Blitz. Der reicht für Party-Bilder, aber nicht mehr.“

In Innenräumen gelingen Smartphonebilder allein mit der Raumbeleuchtung häufig nicht. Auch hier muss der Blitz dazu geschaltet werden. „Bei schlechten Lichtverhältnissen müssen die Motive still stehen, damit es keine Verwackelungseffekte gibt“, erklärt der Fotograf – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass all diese Regeln in einem kreativen Prozess auch gebrochen werden können, um ein interessantes Foto zu schießen. 

Was das Licht betrifft, sind Smartphones noch nur eingeschränkt nutzbar. Dafür können sie ihre Stärken besonders da ausspielen, wo es um eine besondere Perspektive geht. „Hier kann man den Vorteil des Displays nutzen und spannende Fotos aus der Frosch- oder der Vogelperspektive machen“, so Dewanger. Häufig würden interessante und originelle Fotos entstehen, wenn der Fotograf die gewohnte Augenhöhe verlässt und eine besondere Perspektive wählt. Die zu finden ist nicht immer leicht. Sein Tipp: Die Fotografie verzögern und überlegen. „Wenn man sich die Zeit nehmen kann, sollte man mehr überlegen und weniger auslösen. Das ist auch eine gute Trainingsmethode für das eigene, fotografische Sehen“, erklärt Marcus Dewanger.

Dies gilt auch bei der Bildkomposition. Smartphones fotografieren oft sehr weitwinklig. Viele Nutzer würden deshalb dazu tendieren, möglichst viel auf ein Foto unterbringen zu wollen. „Hier sollte man lieber überlegen, was das zentrale Motiv ist und wie man es inszenieren kann“, rät der Fotograf. Die Hauptperson könne man dazu zum Beispiel in den goldenen Schnitt setzen.

Auch mit Schärfe und Unschärfe lässt sich auf Smartphones spielen, indem man mit dem Finger auf das scharf zu stellende Motiv auf dem Display tippt.

Zum Thema Bildgestaltung empfehle sich ein Blick in alte Standardwerke wie Andreas Feiningers „Große Fotolehre“, die es schon günstig auf dem Flohmarkt gebe. Um diese Methoden für bessere Fotos zu lernen, sei teurere Technik nicht notwendig: „Wer sich mit der Fotografie auseinandersetzen will und ein Smartphone hat, braucht keine teure Kamera.“

Modelle für Fotofreunde
Eine Spiegelreflexkamera können Smartphones nicht ersetzen. Trotzdem haben einige Geräte bereits imposante Technikmerkmale. So kommt der Sensor des Lumia 1020 vom Hersteller Nokia mit einer Kamera-Auflösung auf 41 Megapixel und ist damit extra auf den fotobewussten Smartphonenutzer zugeschnitten. Das Samsung Galaxy S4 Zoom bietet neben beeindruckende 16 Megapixeln einen 10-fachen optischen Zoom – ein bisher einmaliges Feature auf dem Markt. Auch Hersteller Sony setzt mit dem Xperia Z1 auf starke Fototechnik. 20,7 Megapixel schafft der Sensor. Ein Bildstabilisator soll verwackelten Fotos entgegenwirken und der 5-Zoll-Touchscreen in Full-HD sorgt für eine scharfe Darstellung beim Betrachten der Bilder.
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