Neues Login-Verfahren : Smartphone als Schlüssel zum Netz

Für jeden Dienst sollten Nutzer derzeit ein unterschiedliches Passwort nutzen.
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Für jeden Dienst sollten Nutzer derzeit ein unterschiedliches Passwort nutzen.

Das Lübecker Start-up Commocial will mit einer neuen Technologie das Anmelden bei Internetdiensten revolutionieren. Nutzer müssen sich nur ein Passwort merken.

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21. Juni 2014, 04:00 Uhr

Lübeck | So kompliziert wie möglich und für jeden Internetdienst verschieden: Die Anforderungen an sichere Passwörter sind hoch. So hoch, dass es viele Internetnutzer trotz regelmäßiger Warnungen bei einem Passwort für mehrere Webseiten belassen. Das Lübecker Start-up Commocial will dem ein Ende machen. Eine patentierte Technologie soll nichts weniger als das Eingeben von Passwörtern überflüssig machen. Stattdessen wird das Smartphone zum Schlüssel für Benutzerkonten bei Onlineshops und andere Internetdienste.

„Wir wollen mit unserer App eine hoch sichere Authentifizierung anbieten, mit der man sich nur noch ein Passwort merken muss“, sagt Michael Weiß, Geschäftsführer des Start-ups. Die Idee: Wer sich zum Beispiel in einem sozialen Netzwerk anmelden möchte, bekommt statt einem Eingabefeld für seine Benutzerdaten auf dem Monitor einen QR-Code angezeigt. Das ist eine Grafik, bestehend aus schwarzen und weißen Punkten, die sich mit der Kamera des Smartphones und über die Commocial-App einscannen lässt.

„Der Bundesbürger hat im Durchschnitt 24 Benutzerkonten, die eigentlich genauso viele Passwörter erfordern“, sagt Weiß. Mit der Lübecker Technologie brauchen Nutzer nur noch ein Passwort, dass sie Anfangs bei der Registrierung von Commocial festlegen. „Wir haben es Geheimnis genannt, um es vom klassischen Passwort abzuheben“, so Weiß. Das Prinzip ist von Internetdiensten bekannt, bei denen man sich mit seinem Facebook- oder Twitter-Konto anmelden kann. Dabei gebe man seine Daten jedoch in die Hand ausländischer Unternehmen, die schwächeren Datenschutzrichtlinien unterliegen als deutsche Firmen.

 Auf der Homepage des Start-ups www.commocial.net kann man die kostenlose App bereits testen. Hat das Smartphone den QR-Code gescannt, fragt die App nach drei bestimmten Stellen in dem festgelegten Geheimnis. Wurden diese drei Buchstaben richtig eingegeben, leitet die Website den Nutzer automatisch auf sein Benutzerkonto weiter. „Mit dieser Abfrage gewährleisten wir, dass beim Diebstahl des Handys die App wertlos ist. Die Diebe müssten immer noch das Passwort kennen, um Zugriff auf Benutzerkonten zu erhalten“, erklärt Weiß. Für den Fall, dass das Smartphone verloren geht oder geklaut wird, erhalten Nutzer eine Pin-Nummer, mit der sich der Dienst sperren lässt. Auch würden über die App keine persönlichen auf dem Smartphone Daten gespeichert, was das System vor Viren- und Hackerangriffen schütze. Sie liegen statt dessen auf einem Server, der nicht direkt über das Internet erreichbar ist.  Die Technologie werde gerade vom Tüv Rheinland geprüft.

Vor einem Jahr gründeten der Inhaber einer Internetagentur Michael Weiß und drei weitere Gesellschafter das Start-up in der Hansestadt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine von Studenten gegründeten Garagenfirma. „Wir sind das einzige Ü40-Start-up in Schleswig-Holstein“, scherzt der 47-Jährige. Der Erfahrung der Gründer ist es wohl zu danken, dass das Unternehmen in kurzer Zeit schon viel erreicht hat. Für ihre Idee erhielten die Gründer im vergangenen März den Innovationspreis der Initiative Mittelstand und wurden zum Landessieger Schleswig-Holstein gekürt. Derzeit ist das Unternehmen auf der Suche nach Investoren, die mit dem nötigen Risikokapital den erfolgreichen Markteintritt möglich machen. Commocial soll für Nutzer kostenlos sein. Zahlen sollen die Seitenbetreiber, die den Dienst anbieten.

Die App steht für iOS-Geräte im Appstore bereit. Versionen für Android-Geräte und Windows-Phones sind aber noch in Arbeit.  Vier Programmierer beschäftigt Commocial. Sie entwickeln weiter neue Funktionen. Denn  das Team sieht ein breites Anwendungsfeld nicht nur hierzulande. Michael Weiß: „Das Verfahren bietet ein riesiges Potenzial. Und wenn das in Deutschland funktioniert, dann auch in jedem anderen Land.“ Der Erfolg des Start-ups steht und fällt aber mit der Zahl der Internetanbieter, die das System für ihre Nutzer bereitstellen. Denn bisher kann man die App zum Ausprobieren nur auf der Homepage der Lübecker nutzen und testen. „Unser Vertrieb ist hier gerade im Dialog mit verschiedenen Akteuren, die das System einsetzen wollen“, sagt Weiß. Er hofft, dass Anbieter mit einem großen Nutzerstamm wie beispielsweise das Karrierenetzwerk Xing Commocial in ihr Anmeldeverfahren integrieren.

www.commocial.net

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