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Vernetzte Zukunft : Smart City – Wie sich Städte wandeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt der Zukunft soll intelligent, lebenswert und nachhaltig sein. Die Auswertung von Daten vernetzter Technik spielt dabei eine große Rolle. Hamburg ist bereits auf dem Weg zur Smart City.

Die Stadt der Zukunft soll intelligent, lebenswert und nachhaltig sein. Die Auswertung von Daten vernetzter Technik spielt dabei eine große Rolle. Aber was sind überhaupt Smart Cities? „Die eine Definition gibt es nicht“, sagt Matthias Flügge, der sich bei Fraunhofer Fokus, einem Institut für offene Kommunikationssysteme, in Berlin intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Prinzipiell geht es darum, die Lebensqualität zu steigern und Städte intelligenter zu machen, indem wichtige Teilbereiche, wie etwa Umwelt, Energie und Verkehr klug vernetzt werden.“

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die Zahlen: Laut einem UN-Bericht werden 2050 etwa zwei Drittel der Menschen in Städten leben, 2014 waren es etwas mehr als 50 Prozent. Beispiel Mobilität: Bisher wurden einzelne Elemente, vom Auto über den Bus bis zum Fahrrad, getrennt betrachtet. Heute können Daten kombiniert und etwa mit Messungen zur Schadstoffbelastung ergänzt werden.

Auch in Hamburg widmet man sich – neben vielen anderen Projekten – Intelligenten Transportsystemen: „Ampeln werden darauf vorbereitet, allen künftig kommunizierenden Fahrzeugen als ,Ansprechpartner’ zur Seite zu stehen und das kooperative Fahren zu unterstützen“, erklärt Niels Wiecker von der Stadt Hamburg. So solle erforscht werden, auf welche Weise ein Beratungssystem für die Fahrzeuggeschwindigkeit das Fahrverhalten positiv beeinflussen könne. Da die Fahrzeuge auch untereinander in Kontakt stehen, könnten relevante Informationen weitergegeben und in Handlungsempfehlungen und – falls erforderlich – in Warnungen für die Fahrer umgewandelt werden. So gehe es in modernen Städten künftig längst nicht mehr nur um die Frage, wie man am schnellsten von A nach B komme, sagt Flügge. „Ich kann eine besonders sichere Route fahren, oder eine besonders umweltbewusste – oder Zonen meiden, in denen die Schadstoffbelastung besonders hoch ist.“

Doch nicht nur der Verkehr, auch der Katastrophenschutz in Hamburg soll künftig von intelligenten Systemen unterstützt werden: das System „PORTprotect“ soll bei Sturmfluten eine bessere Gefahrenabwehr gewährleisten. Wichtige Informationen sollen digital erfasst, verortet und analysiert werden. Eine Lagedarstellung visualisiert und verortet Maßnahmen und Meldungen in einer Hafenkarte. Zusammen mit Informationen zur Sturmflutvorhersage des Sturmflutwarndienstes (WADI) und dem aktuellen Status der Hochwasserschutzanlagen im Hafen erhält der Krisenstab so ein umfassendes Bild der augenblicklichen Situation im Hafen. Seit Beginn der Sturmflutsaison Mitte September 2015 befinde sich „PORTprotect“ in der Erprobung, sagt Wiecker. Mitte 2016 soll das System den Echtbetrieb aufnehmen.

Weltweit werden immer mehr Städte zu smarten Städten ausgebaut: So bekommt die Müllabfuhr in Barcelona mit Hilfe von Datenlesern einen Überblick, welche Tonnen geleert werden müssen. Nur eines von vielen weiteren Projekten. Noch weiter soll es in New York gehen. Dort werden nach und nach Telefonzellen durch Säulen ersetzt, die mit Hotspots und Ladestationen für Smartphones ausgestattet sind.

Flügge glaubt, dass sich Städte auf ihrem Weg zu einer Smart City für Innovationen öffnen sollten. „Sie müssen sich davon verabschieden, jedes Problem selber lösen zu wollen und stattdessen eine Plattform bieten, auf der Dritte neue Dinge ausprobieren und intelligente Anwendungen entwickeln können.“ Die Behörden säßen auf Bergen öffentlicher Informationen wie Statistiken, Haushaltsdaten oder Echtzeitdaten von Messstationen. Mittlerweile haben aber schon mehrere deutsche Städte ein sogenanntes Open-Data-Portal, wo sie Daten zugänglich machen. Auch hier sei Hamburg ein gutes Beispiel, sagt Flügge.

Es geht aber noch radikaler. Während sich manche Städte den neuen Anforderungen anpassen, werden andere gleich ganz am Reißbrett entworfen. So kündigte Indien an, 100 Smart Cities bauen zu wollen. In Abu Dhabi entsteht die „Ökostadt“ Masdar, in der rund 50  000 Menschen komplett von erneuerbaren Energien versorgt werden sollen. Und in Südkorea wächst die Planstadt Songdo – mit multifunktionellen Chipkarten für Bewohner, allgegenwärtigen Kameras und Komplettvernetzung.

Datenschützer sind alarmiert, andere Kritiker warnen vor den Gefahren eines großen Blackouts und Cyberangriffen. Systeme, über die die gesamte Stromversorgung oder der komplette Nahverkehr laufen, könnten von Hackern manipuliert werden.

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erstellt am 29.Feb.2016 | 12:28 Uhr

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