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JVA Neumünster : Skypen hinter Gittern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gefangene können in der JVA Neumünster künftig über Skype mit ihrer Familie sprechen.

von
erstellt am 19.Mai.2016 | 10:39 Uhr

Für Tarek S. (Name geändert) ist die Trennung von seiner Tochter schwer – seine Familie lebt in Albanien, und er selbst sitzt wegen Handels mit Betäubungsmitteln in der JVA Neumünster. Zwei Jahre ist er bereits in Haft und seitdem von seinen Kindern getrennt. Jetzt aber kann er seine Familie in der Ferne regelmäßig sehen. Zumindest über Skype. Dicht gedrängt versammeln sich, ein wenig verschwommen, die Generationen vor der Webcam: Seine Tochter, seine Frau – und sogar die Oma, die gar nicht weiß, dass der Enkel in Haft ist.

Die Möglichkeit, über Online-Videotelefonie mit Angehörigen zu sprechen, ist neu in der JVA Neumünster. „Die Idee entstand in einem Fachseminar zum Thema Familienzusammenführung“, erklärt Kati Kummer von der JVA. Bislang gebe es bundesweit nur vereinzelt Gefängnisse, die Skype anbieten, und auch die haben bisher noch keine Langzeiterfahrung gemacht. Neumünster ist in Schleswig-Holstein der Vorreiter für das Programm. Läuft es erfolgreich, sollen die weiteren Gefängnisse folgen.

Anke Spoorendonk (SSW) betont, dass der Kontakt den Kriminellen nach der Entlassung helfe, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Das sei auch ein Stück Sicherheit. „Es ist wichtig, dass der Gefangene noch Teil der Familie bleibt – oder es überhaupt erst wird“, sagt die Justizministerin bei einem Besuch in der JVA. „Der Vorteil bei Skype ist: Man sieht die Angehörigen, wie sie drauf sind, die Mimik und hat nicht das Gefühl, dass sie so weit weg sind .“

Damit über das Internet keine weiteren Straftaten geplant werden können, wird der Skype-Chat von einem Mitarbeiter der JVA überwacht. Tarek S. sitzt in einem kleinen, kahlen Raum mit vergittertem Fenster, in dem nur der Monitor und die Lautsprecher stehen. An den Computer selbst kommt er nicht heran. Der steht in einem ebenso kahlen Nebenraum. Justizvollzugsbeamter Klaus Riepen sitzt davor und sieht genau, was Tarek S. sieht: Die drei Gesichter der Familie. Das Mädchen lacht. Den Ton hört er nicht, das ist privat und ohnehin auf albanisch. „Es ist in etwa so wie bei den Besuchen“, sagt Riepen. „Da höre ich auch nicht, was die Leute sagen.“ Doch er kann einschreiten: „Wenn plötzlich fünf Rocker im Hintergrund auftauchen, drückt er die Austaste“, sagt Kummer. „Oder wenn die Frau sich auszieht“, ergänzt Riepen „Das dürfen sie im Besuchsraum ja auch nicht.“ Dann wird die Verbindung getrennt.

Wie häufig die Gespräche möglich sein werden, weiß Kati Kummer noch nicht. „Das kommt auch auf die Nachfrage an.“ Jede Skype-Sitzung muss der Gefangene vorher beantragen und genau angeben, wen er sprechen möchte. Das kann die Familie im Ausland sein oder auch die gehbehinderte Oma, die nicht mehr reisen kann. Je nachdem, wie viele Gefangene anfragen, kann auch ein Chat mit dem Kumpel vom Chiemsee möglich sein, erklärt Kati Kummer. Vorrang haben aber die Familien – so wie die von Tarek S. Drei weitere Jahre Haft und mehr als 2000 Kilometer trennen das kleine Mädchen aus Albanien von ihrem Vater in Neumünster. Durch Skype kann sie ihm jetzt zumindest online ein Lächeln schicken.  

 

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