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Internet : „Sie haben Post“ - die E-Mail wird 30 Jahre alt

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Vor 30 Jahren wurde in Deutschland die erste E-Mail empfangen. Sie ging von Laura Breeden aus Cambridge im US-Staat Massachusetts an Michael Rotert nach Karlsruhe, der den ersten Mail-Server in Deutschland einrichtete.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 16:51 Uhr

Karlsruhe | Vor 30 Jahren begann das E-Mail-Zeitalter in Deutschland – genauer gesagt am 3. August 1984 um 10.14 Uhr. An diesem Tag erhielt Michael Rotert die erste E-Mail, die in die Bundesrepublik geschickt wurde. Sie war der Startschuss für den Einzug eines neuen, modernen Kommunikationsmediums, das sowohl die Arbeitswelt als auch die private Interaktion  verändern sollte.

Die E-Mail, die Rotert vor 30 Jahren in einem Keller in Karlsruhe empfing, kam von Laura Breeden aus Cambridge im US-Staat Massachusetts. Damit die elektronische Nachricht ankommen konnte, richtete er den ersten Mailserver in Deutschland ein. Der Internet-Pionier erzählt, dass er damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Eigentlich wollte er Elektrotechnik studieren, ging dafür 1971 nach Karlsruhe und sah dann, dass die Warteschlange für die Anmeldung zum Informatik-Studium länger war. „Da habe ich mir erklären lassen, was Informatik ist und habe die Schlange gewechselt.“

Anders als heute war Spam  zu jener Zeit noch kein Thema. Schließlich war die elektronische Post zunächst noch mit Kosten verbunden: Umgerechnet 20 Cent mussten für eine A4-Seite bezahlt werden. Teuer waren auch die digitalen Leitungen der damaligen Deutschen Bundespost. „Da kamen schnell einmal 30000 Mark im Monat zusammen“, sagt der 64-jährige Badener.

Heute sei die E-Mail das „Rückgrat des Internets“, stellt der Geschäftsführer der Webmail-Anbieter web.de und GMX, Jan Oetjen, fest. Das Unternehmen schätzt die Zahl der in diesem Jahr in Deutschland versendeten Mails auf 504,4 Milliarden – 6,9 Prozent mehr als 2013. Daran war vor 30 Jahren noch nicht zu denken.

Die E-Mail ist für die Menschen immer wichtiger geworden. Die freundliche Stimme, die mit „Sie haben Post“ eine neue Nachricht ankündigte, ist dem einen oder anderen sicherlich noch in Erinnerung geblieben. Nicht nur beruflich, sondern auch privat gilt die elektronische Post als Vorreiter. In privaten Kreisen hat sie immer mehr den traditionellen Brief und die Postkarte ersetzt. Gerade im mobilen Zeitalter lassen sich Schnappschüsse und Grüße per Smartphone innerhalb weniger Sekunden direkt aus dem Urlaub in die Heimat schicken. Für die meisten Internetnutzer ist der E-Mail-Versand nicht nur bequemer, sondern auch günstiger. Ein kurzer Klick genügt und der elektronische Brief landet innerhalb weniger Sekunden im Postfach seines Empfängers.

Briefe können bei dem Tempo natürlich nicht mithalten. Aber immerhin haben sie zumindest vor der E-Mail langjährige Freundschaften geprägt. Wer hat nicht sehnsüchtig auf den Postboten gewartet, in der Hoffnung, dass er einen Briefumschlag aus der Ferne vorbeibringt?

Heute ist die traditionelle Post jedoch gefühlt in den Hintergrund gerückt und auch die E-Mail scheint an Bedeutung zu verlieren. Da Internetnutzer mit Smartphones und Tablets immer online sind, laden sie lieber Fotos oder Videos bei Facebook oder Twitter hoch und kommunizieren über Live-Chats oder soziale Netzwerke. So gehören E-Mails mit langen Betreffzeilen wie „AW: AW: AW: AW: Mittagessen“ der Vergangenheit an.

Einer Umfrage des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) zufolge  sieht ein gutes Drittel der Bevölkerung mittelfristig ein Ende der E-Mail. 36 Prozent der Verbraucher geben der E-Mail demnach noch maximal 15 Jahre.

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