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Mobbing im Netz : Sexting: Ein Projekt gegen Entblößung im Internet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch in SH werden erotische Fotos von Teenagern über Facebook und Co verbreitet. Die Abgebildeten wollen meist nur ihrem Schwarm gefallen. Sie denken nicht nach, bevor sie Bilder posten. Ein Wettbewerb soll das ändern.

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2014 | 12:47 Uhr

Es ist eine besonders perfide Form des Mobbings im Internet. Nach Aussage von Experten greift das so genannte Sexting immer weiter um sich. Dabei werden erotische Fotos oder sogar pornografische Aufnahmen von Teenagern in sozialen Netzwerken wie Facebook oder über Nachrichten-Apps wie Whatsapp veröffentlicht und verbreitet. Die Abgebildeten – fast immer haben sie die Aufnahmen selbst gemacht – sind schutzlos der Häme der Betrachter ausgesetzt.

Typisches Beispiel für Sexting: Eine 16-Jährige verliebt sich in einen gleichaltrigen Jungen und chattet mit ihm. Um ihren Schwarm für sich zu gewinnen, lässt sie sich schließlich von ihm überreden, Nacktbilder von sich zu schicken. Doch ihr Angebeteter ist nicht allein, er sitzt mit einigen Freunden vor dem Rechner, alle machen sich über die Aufnahmen lustig, schicken sie sofort an Freunde und Bekannte weiter, auf Handys, per Mail oder über soziale Netzwerke. Für das Mädchen ein Schock mit unter Umständen schwerwiegenden Konsequenzen fürs weitere Leben.

Einen Video- und Handyclip-Wettbewerb zum Thema Sexting ruft derzeit die Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten aus. „Auf Portalen wie Youtube oder Myvideo bewegen und informieren sich die Jugendlichen heute. Aber wir haben festgestellt, dass es dort noch überhaupt keine deutschsprachigen Videos zur Aufklärung über Sexting gibt“, sagt Wiebke Tischler, Gleichstellungsbeauftragte in Kellinghusen.

Unter dem Motto „Think before you post“ können Jugendliche allein oder in Gruppen, zusammen mit Lehrern, Eltern oder Betreuern am Projekt teilnehmen. Gefordert ist ein maximal dreiminütiger Clip zur Problematik.

Der Medienpädagoge Uli Tondorf vom Kieler Verein Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein ist für die Entwicklung von Medienkompetenz bei Jugendlichen zuständig. Er sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. „Sexting hat in den vergangenen eineinhalb Jahren immer mehr zugenommen“, sagt Tondorf. Es müsste beim Sexting allerdings unbedingt differenziert werden zwischen denjenigen, die solche Fotos aufnehmen und denjenigen, die die Fotos öffentlich machen, warnt Tondorf. „Sicherlich ist es risikoreich und nicht sonderlich klug, aber es wäre falsch, die Macher dieser Fotos zu verurteilen.“

Oftmals würden die erotischen Bilder in einer – zumindest scheinbar – geschützten Atmosphäre entstehen. Ein gutes Beispiel hierfür sei etwa das junge Paar, das schon ein Jahr zusammen ist und sich in Vetrautheit explizite Bilder schickt. „Das ist ein emotionales Loslassen im vertrauten Rahmen, sich in die Hand des anderen begeben, das ist durchaus auch positiv zu bewerten“, so Tondorf. „Die denken ja beide nicht daran, dass sie sich vielleicht irgendwann trennen – und ein Partner aus Rache Bilder veröffentlichen könnte.“

Dem Täter gehe es darum, sich im Bloßstellen des Opfers überlegen zu fühlen. Das könne in der Rolle eines gekränkten Beziehungspartners vorkommen, aber auch in Freundeskreisen. „Da will dann ein Junge die Kumpels beeindrucken und zeigen: Guckt mal, wie ich die im Griff habe, für mich macht die sich nackig.“ Es müsse in der Prävention klar dargestellt werden, wie mies und verwerflich dieses Verhalten sei. Von Verboten als Erziehungsmaßnahme hält er aber nichts, vielmehr müsse bei den Jugendlichen ohne drohend erhobenen Zeigefinger ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen werden.

Darauf setzen auch Wiebke Tischler und ihre Kollegen bei dem Wettbewerb. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, Spielfilme, Dokumentationen oder auch Animationsfilme sind willkommen“, so Tischler. Bis Ende Dezember können Filme eingesendet werden. Die Produzenten der besten Clips erhalten bis zu 500 Euro Prämie, ihre Werke sollen im Internet veröffentlicht sowie für die Präventionsarbeit genutzt werden.

Infos zum Wettbewerb „Think before you post“ unter www.gleichstellung-sh.de.
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