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Christiansens Netzwelt : Schwache Momente: Apple, Samsung und die Lithium-Ionen-Batterien

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fair ist anders: Einem Bericht von Amnesty International zufolge nehmen Konzerne wie Apple Kinderarbeit hin.

von
erstellt am 20.Jan.2016 | 11:41 Uhr

Kleidung, Kaffee, Kosmetik – überall ist Fairtrade inzwischen ein Verkaufsargument, eines, das an unser Gewissen appelliert. Doch es hat mächtige Gegner: Unsere Neugier auf Unbekanntes und unseren Drang, uns mit schönen Dingen zu schmücken – beides kommt besonders dann zum Vorschein, wenn unser Smartphone oder Laptop langsam zu kränkeln beginnt oder wir mit der bisherigen Leistung der Geräte nicht mehr klarkommen. Es geht ja immer schneller und besser.

Um unsere schwachen Momente wissen auch Apple, Samsung oder Sony und machen aus den Vorstellungen ihrer neuen Produkte stets riesige Events. Was sie anscheinend nicht wissen – oder nicht wissen wollen – sind die Umstände, unter denen Teile für ihre neuen Flaggschiffe produziert werden. Das zumindest geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervor. Für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien, die in vielen mobilen Geräten verbaut sind, braucht es das Mineral Kobalt. Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts stammt aus dem Kongo, heißt es in dem Bericht. Insbesondere im Süden des zentralafrikanischen Landes seien es Minderjährige, die in den Minen unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen und für Hungerlöhne arbeiten. Das UN-Kinderhilfswerk hatte 2014 geschätzt, dass in den Minen im Südkongo rund 40.000 Minderjährige beschäftigt sind.

Klar – mit dem Reizwort „Kinderarbeit“ möchte kein Unternehmen in Verbindung gebracht werden. Trotzdem versäumen es die genannten Elektronik-Riesen Amnesty International zufolge auszuschließen, dass ebendieses Kobalt in ihren Geräte verarbeitet wird.

Ich muss gestehen, auch ich habe beim Kauf meines Samsung-Smartphones nicht bei Hersteller oder Händler nachgefragt, ob es fair produziert wurde. Dass es anders geht, machen kleine Anbieter vor: Aus den Niederlanden kommt das „Fairphone“, aus Deutschland die „Shift Phones“. Auch, wenn sie „fair“ sind, sehen sie aus wie echte Smartphones – und schneiden in Tests auch gar nicht schlecht ab. Das zeigt: Man muss nicht auf moderne Geräte verzichten, um mit den eigenen Konsumvorstellungen möglichst wenig Schaden anzurichten.

  

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