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Digitalstrategie : Schüler sollen Smartphones im Unterricht benutzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kultusministerkonferenz beschließt die neue digitale Strategie. Kinder sollen damit mehr Medienkompetenzen erlangen.

Kiel/Berlin | Mit einer neuen Digitalstrategie wollen die Kultusminister dafür sorgen, dass Schüler künftig einheitliche Computer, Internet- und Medien-Kenntnisse erlernen. Das hat die Konferenz der Minister in Berlin beschlossen.

Dazu gehört, dass die Schüler verstärkt eigene Smartphones im Unterricht nutzen sollen. Die Lernziele, die Themen wie Informationssuche und Persönlichkeitsrechte umfassen, gelten bereits für alle Kinder, die im Sommer 2018 eingeschult werden. Damit die Inhalte auch fächerübergreifend im Unterricht vermittelt werden können, soll die Aus- und Fortbildung der Lehrer angepasst werden. Dazu wollen die Minister möglichst jedem Schüler bis 2021 an der Schule einen Internetzugang und eine „digitale Lernumgebung“ zur Verfügung stellen.

„Es ist richtig, sich dieses Ziel zu setzen“, sagte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Sie hob hervor, dass aktuell mit den Schulträgern daran gearbeitet werde, den Schulen in Schleswig-Holstein eine verlässliche und leistungsfähige IT-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Daran hapere es noch in vielen Bereichen, sagt der Flensburger Medienbildungsforscher Stephan Münte-Goussar. Dazu müssten die Lehrer besser fortgebildet und die Organisationsformen der Schule überdacht werden. „Lehrer brauchen mehr Zeit und neue Räume, um sich auszuprobieren.“ Das koste aber viel Geld.

Die Gesamtkosten für das Projekt gelten als schwer abschätzbar. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) brachte ein jährliches Gesamtbudget von bis zu drei Milliarden Euro ins Gespräch.

Der Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Gemeindetages, Jörg Bülow, machte deutlich, dass der Bund dafür sorgen müsse, dass alle Schulträger gleich gut ausgestattet werden, und nicht nur auf deren Eigeninitiative vertrauen. „Dazu müssen wir uns um den Sanierungsstau an den Schulgebäuden kümmern – und dieses Thema nicht wegen Investitionen in die digitale Strategie vernachlässigen. Beides ist wichtig.“
 

Der Weg ins digitale Klassenzimmer - ein Kommentar von Kay Müller

Es gibt Dinge, da hält sich der Staat besser raus. Zu viel Reglementierung kann manchmal gesellschaftliche Prozesse lähmen, privaten Initiativen den Wind aus den Segeln nehmen. So scheint es auch bei der Strategie für das digitale Klassenzimmer zu sein. Bislang hat der Staat das digitale Lernen weitgehend den Schulen selbst überlassen, die oft mit viel Eifer an die Sache herangingen.

Doch das kann nicht verdecken, dass Jugendliche zwar gern und viel mobile Endgeräte nutzen, aber eben meist für Kommunikation und Spiele und nicht für das Lernen schulischer Inhalte, schon gar nicht in ihrer Freizeit. Deshalb hat zunächst Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vor einigen Wochen ein Programm zur Verbesserung des digitalen Lernens aufgelegt, nun ziehen die Kultusminister nach. Viel zu spät.

Denn längst gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Land. Mittelfristig werden diejenigen Schulen einen noch größeren Vorteil haben, die ihren Schülern die digitale Welt am besten vermitteln können – eben weil es dort Lehrer gibt, die Zeit, Lust undKompetenz haben, das Thema offensiv umzusetzen.

Die Aufgabe des Staates ist jedoch, nicht nur dieses Engagement zu fördern, sondern vor allem die Schulen und Schulträger zu unterstützen, die diese Ressourcen nicht haben. Und da reicht es nicht, den Lehrern einige Fortbildungen anzubieten, sondern es braucht eine langfristige Förderung. Jede Schule braucht nicht nur einen Hausmeister, sondern auch einen Webmaster. Das wird auch eine völlige Veränderung der Lernwelten mit sich bringen. Erst dann wird eine digitale Strategie langfristig und flächendeckend Erfolg haben. Den Schülern zu erlauben, ihre eigenen Smartphones im Unterricht zu nutzen, ist da weniger als ein Anfang.

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erstellt am 08.Dez.2016 | 19:54 Uhr

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