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Automatische Suchvervollständigung : Schleswig-Holstein bei Google: „Warum ist Kiel so hässlich?“

vom
Aus der Onlineredaktion

Wer schleswig-holsteinische Städte auf Google sucht, erfährt viel über die Vorurteile der Menschen. Eine Auswahl.

Sag mir wonach du suchst und ich sage dir, wer du bist. So lässt sich das Geschäftsmodell der weltweit größten Suchmaschine Google zusammenfassen. Im vergangenen Jahr 2016 soll das Tochterunternehmen des Alphabet-Konzerns nach eigenen Angaben 3,26 Billionen Suchanfragen erhalten haben. Das ist eine gigantische Menge an Daten, die verraten, wie die Menschen ticken, was ihre geheimen Wünsche und Ängste sind, aber auch welche Vorurteile sie haben. Was Google bereits alles über uns weiß, ist Gegenstand vieler Spekulationen und ein wohlgehütetes Geheimnis. Aber es gibt eine Möglichkeit einen winzigen Ausschnitt dieses Wissens zu erhaschen: Googles Autovervollständigung. Wer einen Begriff in die Suchmaschine eingibt, erhält einen Vorschlag, wie die Anfrage weitergehen könnte. Auf die Frage „Wer ...“ folgt etwa „... wird Millionär?“, „... bin ich?“ und „... ist bei dsds raus?“ Hintergrund sind die Anfragen anderer Nutzer, die diese Themen offenbar brennend interessiert. Wir haben Google gefragt: Welche Vorurteile und Fragen hat Deutschland gegenüber Orten in Schleswig-Holstein? Einige ausgewählte Ergebnisse:

Screenshot Google
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Warum ist Kiel ... keine Hansestadt? Ja, warum eigentlich nicht? Das Kfz-Kennzeichen „HKI“ wäre doch ganz nett. Dabei war die Landeshauptstadt einst bereits Hansestadt. 1283 trat Kiel der Hanse bei, konnte die daraus resultierenden Privilegien mangels Wirtschaftskraft aber kaum nutzen. Als dann auch noch der Vorwurf hinzu kam, Piraten beherbergt zu haben, war es 1554 vorbei: Kiel wurde aus der Hanse ausgeschlossen. Vielleicht ist das ein Grund für die zweitwichtigste Frage: „Warum ist Kiel so hässlich?“ Darüber lässt sich vortrefflich streiten. Fakt ist, dass Kiel als Stützpunkt der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg heftigen Luftangriffen ausgesetzt war. Fast 3000 Menschen kamen dabei ums Leben und nur 20 Prozent der Wohnungen blieben unversehrt. Kein Wunder also, dass beim Wiederaufbau der Ästhetik keine Priorität beigemessen wurde.

Screenshot Google
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Warum ist Flensburg ... Stadt der Verkehrssünderpunkte? An der Förde hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) seit 1952 seinen Sitz und sorgt für einen eher negativen Bekanntheitsgrad – auch auf Google. Unter anderem aus strukturpolitischen Gründen siedelte die Behörde damals von Bielefeld an die Förde – um Arbeitsplätze zu schaffen.

Und warum ist Flensburg die ärmste Stadt?  Diese Aussage geht auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2015 zurück. Darin werden deutschlandweit die Sozialausgaben der Kommunen verglichen. Für die Fördestadt kommen die Autoren zu dem Ergebnis: In Flensburg binden die Sozialleistungen 58 Prozent des Etats - Spitzenwert in Deutschland (Stand 2015). Als einen der Gründe machte Flensburgs damaliger Bürgermeister Henning Brüggemann im Interview mit shz.de die überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit aus.

Screenshot Google
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Warum ist Husum ... die graue Stadt am Meer? Schuld ist der Schriftsteller Theodor Storm – zugleich Husums bekanntester Sohn. In seinem Gedicht „Die Stadt“ widmet Storm seinem Heimatort die Zeilen: „Am grauen Strand, am grauen Meer / Und seitab liegt die Stadt; / Der Nebel drückt die Dächer schwer, / Und durch die Stille braust das Meer / Eintönig um die Stadt.“

Screenshot Google
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Warum ist Pinneberg ... im selben Kreisgebiet wie Helgoland? Berechtigte Frage, immerhin trennen beide Regionen 140 Kilometer Luftlinie. 1932 wurde der Kreis Helgoland aufgelöst. Seitdem gehört Deutschlands einzige Hochseeinsel zu Pinneberg. Hintergrund: Durch die Nähe zu Hamburg erreicht man Helgoland mit dem Schiff von Pinneberg am schnellsten. Und noch eine Frage: „Warum mögen Hamburger Pinneberger nicht?“ Offiziell verbrieft sind die Gründe natürlich nicht. Aber hört man sich um, gibt es immer die selben Klischees: Pinneberger seien schlechte Autofahrer, die Stadt öde und spießig. Aber wie bei allen lokalen Rivalitäten ist der wahre Grund wohl, dass man sich immer irgendwie abgrenzen muss – auch wenn das eine gewisse Arroganz erfordert.

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erstellt am 28.Jul.2017 | 17:24 Uhr

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