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Dirks Netzwelt : Safer Texting

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn ein Satz mit „Die Jugend von heute“ anfängt, dann... liest ihn die Jugend von heute meist nicht zu Ende. Mit Recht. Denn er hört in der Regel mit der Feststellung auf, dass es im Winter damals kälter, die Arbeit dafür damals härter war. Deshalb will ich besser so anfangen: Die Jugend von damals hatte vielleicht kältere Winter, dafür aber auch lange nicht so viele Möglichkeiten, sich Ärger einzuhandeln.

Außer Kontrolle geratene, unter massiven Hormoneinfluss gestartete Internet-Konversationen sind da nur eine Variante. Dabei sollten wir uns weniger darüber aufregen, dass 16-Jährige Gleichaltrigen explizite Bilder von sich schicken. Wer heute mindestens doppelt so alt ist, kann in Verklärung der eigenen pubertären Vernunft leicht behaupten, dass es so etwas „damals“ nicht gegeben hätte. Kunststück, die Bandbreite des Jahres 1998 gab „Sexting“ ganz einfach nicht her. Heute ist das anders. In fast jeder Teenager-Hosentasche brummelt alle paar Minuten das Smartphone. Wie gehen wir damit um?
 

Wer den Anwalt fragt, bekommt die Anwalts-Antwort: Klar kann man kann rechtlich etwas tun, wenn der schlüpfrige Bildaustausch schief lief. Wer zum Beispiel ein Nacktbild bekommt, erhält damit natürlich nicht das Recht, das Foto weiterzuverbreiten. Es bestehen Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gegen jemanden, der das tut und auch gegen diejenigen, die sich an der weiteren Verbreitung beteiligen. Außerdem machen sich die (Mit-)täter strafbar, unter anderem wegen Verletzung des persönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen nach § 201a StGB.
Selbstverständlich gilt das auch für Jugendliche – im Falle der Strafbarkeit ab 14 Jahren, im Fall der zivilrechtlichen Ansprüche in manchen Fällen noch früher. Gerade diese Ansprüche sind es, die für Täter unangenehm werden können. In Vorträgen vor Schülern geht an dieser Stelle in der Regel ein Raunen durchs Publikum.

Wir brauchen keine neuen Gesetze, um dem Phänomen Herr zu werden; überhaupt benötigen wir wohl in diesem Zusammenhang keine Verbote, sondern mehr Medienkompetenz. Auf allen Seiten. Wer in den 90ern aufwuchs, kam in der Schule an Aufklärung zum Thema „Safer Sex“ nicht vorbei. Für „Safer Texting“ sollte heute dasselbe gelten.

> Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Kiel. Er führt einen Social-Media-Recht-Blog unter http://socialmediarecht.de

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erstellt am 07.Nov.2014 | 14:13 Uhr

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