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Henckes Netzwelt : Russlands Angst vorm Regenbogen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein buntes Trikot in „FIFA 17“ missfällt russischen Politikern. Sie sprechen von „Homo“-Propaganda.

von
erstellt am 12.Dez.2016 | 11:28 Uhr

Sechs farbige Streifen sorgen für Nervenzusammenbrüche bei einigen russischen Abgeordneten der Partei „Einiges Russland“ und der Kommunisten. Der Grund: Der amerikanische Hersteller der Fußballspiele-Reihe „FIFA“, Electronic Arts (EA), bot bis Ende November für das Spiel „FIFA17“ ein kostenloses Update an. Es beinhaltete ein „Rainbow-Kit“ – also einen Trikotsatz in Regenbogenfarben. So konnten Spieler ein Zeichen gegen Homophobie im Fußball setzen und ihre Mannschaft in den bunten Trikots auflaufen lassen. Die Aktion von EA wurde in Zusammenarbeit mit der „Rainbow Laces“-Kampagne des britischen Schwulen- und Lesbenverbandes „Stonewall“ durchgeführt.

In Russland ist man der Meinung, EA verstoße damit gegen das 2013 erlassene Gesetz gegen „Homo“-Propaganda. Einige Abgeordnete machten daraufhin ihre homophoben Ansichten publik und schalteten die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor ein. Sie forderten eine Überprüfung des Spiels. Schließlich müssten Regeln eingehalten werden. Weigere sich EA nachzubessern, müsse man eingreifen und beispielsweise die Alterfreigabe auf 18 erhöhen, hieß es. In Deutschland hat das Spiel nicht mal eine Altersbeschränkung – warum auch. Es geht um Fußball und aktuell um sechs Farben auf einem Trikot. Der russische Protest ist lächerlich. Und doch wohnt der Bedeutung dieser sechs Farben noch im Jahr 2016 ein offenbar großer Schrecken inne, der nur eins zeigt: Schwulenhass ist in der Gesellschaft noch immer ein Problem – und das lange nicht nur in Russland.

Gerade im Fußball ist Homophobie noch immer präsent. Es gibt Spieler, Trainer und Fans, die sich negativ über Homosexuelle äußern. Viele Profis outen sich daher nicht. Sie fürchten sich vor Ausgrenzung, Ablehnung und Folgen für ihre Karriere. Thomas Hitzlsperger war 2014 einer der ersten deutschen Fußballer, die sich öffentlich dazu bekannten, schwul zu sein. Das Thema ist seither noch immer nur wenig präsent. Hier besteht Nachholbedarf. Die zaghafte Auseinandersetzung mit der Homosexualität hilft nicht weiter. Das Thema muss Teil des Schulunterrichts werden – schließlich wird immer propagiert, wir seien eine offene und tolerante Gesellschaft. Da gehört sexuelle Vielfalt nun mal dazu. Doch dagegen wächst auch in Deutschland der Widerstand. Es ist schon merkwürdig, dass es Menschen gibt, die es hassen, wenn Menschen sich lieben.

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