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Müllers Netzwelt : Rückfall in alte Zeiten?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Exklusivrechte für die Telekom würden den Glasfaserausbau bremsen.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2015 | 06:15 Uhr

Der Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt hat in den letzten Jahren zu fallenden Preisen und technischen Innovationen geführt. Er wurde dadurch geprägt, dass die Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen gezwungen wurde, ihre Leitungen dem Wettbewerb auf Nachfrage zur vermieten. Dieser konnte dadurch eigene Technologien betreiben und eigene Produkte anbieten. Nach dem Wunsch der Telekom soll jetzt damit Schluss sein.

Im sogenannten Nahbereich der Hauptverteiler war bisher aufgrund von Störungen ein Ausbau mit VDSL-Vectoring nicht möglich. Der Lösungsansatz seitens der Telekom ist nun, dass sie die Leitungen in diesem Bereich exklusiv nutzen und sogar Wettbewerbern die Leitungen kündigen darf. In diesem Fall bietet die Telekom den Wettbewerbern an, die dann exklusiv von der Telekom betriebenen Leitungen über andere Vorleistungsprodukte zu nutzen. Investitionen seitens der Wettbewerber sind dann nicht mehr sinnvoll.

Die Telekom verspricht unseren Regierenden in Berlin dann bis zu 5,9 Mio. Haushalte anstatt mit „bis zu“ 40 Mbit/s mit „bis zu“ 100 Mbit/s versorgen zu können. Aber seien wir mal ehrlich! Hat die Telekom schon mal freiwillig ihre Netze ausgebaut? Oder baut sie nicht nur dort aus, wo Wettbewerb herrscht? Sofern sich die Bundesregierung auf diesen „Deal“ einlässt, wird sie erleben, dass die Telekom im Wesentlichen dort ausbaut, wo starker Wettbewerb durch die Kabelnetzbetreiber herrscht oder andere  meist mittelständische Telekommunikationsunternehmen den Ausbau eines Glasfasernetzes ankündigen. Vordergründig wird eine bessere Versorgung im ländlichen Bereich suggeriert, in Wahrheit geht es aber um Verdrängungswettbewerb in der meist besser versorgten Stadt.

Es ist beunruhigend zu beobachten, wie die Gefahr besteht, dass sich die Bundesregierung insbesondere auf Strategien der großen Konzerne stützt. Der Mittelstand, der erheblich zu Wettbewerb und Innovationen beitragen kann und zurzeit auch tut, droht dabei unter die Räder zu kommen.

Für die Bundesregierung ist es vordergründig natürlich einfacher, um ihre Ziele beim Breitbandausbau zu erreichen, der Telekom entgegen zu kommen, als sich mit einer Vielzahl von Unternehmen und Verbänden auseinandersetzen zu müssen. Dabei darf sie jedoch nicht außer Acht lassen, dass gerade die mittelständisch geprägten Wettbewerber in der Vergangenheit mehr in Infrastruktur investiert haben, als die Telekom.

Ein Rückfall in alte Zeiten droht und der von allen Seiten propagierte Glasfaserausbau dürfte es damit noch schwerer haben.

> Dirk Müller ist Experte für Breitbandausbau in SH.

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