Nagars Netzwelt : Rassismus-Check: So testet Youtuber Jokah Tululu Hamburg

Ein Youtube-Video zeigt, wie Leute auf Rassismus reagieren. Doch es zeigt nur einen Teil der Wahrheit.

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28. Mai 2015, 16:32 Uhr

Der Youtuber Jokah Tululu, der sich in Anlehnung an Will Smith gern als Fresh Prince der Video-Plattform bezeichnet, hat in Hamburg ein soziales Experiment gemacht: Der Schwarze zeigt Passanten eine rassistische, beleidigende Nachricht, gibt vor, kein Deutsch zu verstehen und bittet um Übersetzung. In einem Youtube-Video zeigt er die Reaktionen. Die gute Nachricht vorweg: Die angesprochenen Hamburger reagieren allesamt pikiert bis schockiert ob des unterirdisch miesen Wortlauts, bei dem das Wort „Neger“ noch eine der netteren Formulierungen ist. Das Experiment ist also gelungen, denn der Fresh Prince of Youtube wollte austesten, wie rassistisch Deutschland wirklich ist.

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 Ist das Video also der endlich fällige Persil-Schein, dass bis auf ein paar Fanatiker das Land weltoffen und respektvoll ist? Weit gefehlt. Denn hier kommt die schlechte Nachricht: Zwar findet man  selten Menschen, die offen rassistisch sind oder Stammtischparolen ablassen, doch  es brodelt an vielen Ecken. Oft mit unterschwelligen Beschimpfungen, die gern mit dem Halbsatz „Ich bin ja kein Nazi, aber“ beginnen und mit einer Tirade gegen „Kulturbereicherer“ und „Gutmenschen“ sowie der Verabschiedungsfloskel „Armes Deutschland“ enden.

Ganze Facebookseiten beschäftigen sich einzig damit, Flüchtlingskriminalität anzuprangern und die Fälle auf die Allgemeinheit zu münzen. „Pegida“ ist da nur ein Beispiel. In einschlägigen Blogs geben sich Schreiber bewusst politisch inkorrekt“. Und dann gibt es die sogenannten Trolle, die zu jedem Thema eine entsprechende Hasstirade oder eine unterschwellig feindliche Haltung parat haben. Ganze Arbeitsplätze hängen daran, Internetportale von deren Kommentaren freizuhalten. Doch wo bleibt da der Dialog, ohne den sich nichts ändern kann? Das Internet kann hier nicht die Lösung sein, denn neulich fanden Forscher heraus: Die Nutzer filtern sich ihre Neuigkeiten zurecht, besuchen nur Blogs, deren Meinung sie teilen – und blockieren bei Facebook Freunde mit gegenteiligen Ansichten. So werden sich die Menschen, die das Video von Tululu eigentlich sehen sollten, wohl kaum auf seinen Youtube-Channel verirren. Und wenn doch, bleibt fraglich, ob sich allzu viele die zementierte Meinungskruste auch nur einen Spaltbreit aufmeißeln lassen werden.

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