zur Navigation springen

Schlafstörungen und Depressionen : Psychotherapie: Wie Apps Betroffenen helfen können

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Therapie 2.0: Smartphones bieten auch in dieser Hinsicht Vorteile - doch es gibt auch Gefahren.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 16:15 Uhr

Der Bedarf an psychotherapeutischen Angeboten ist groß – auch in Schleswig-Holstein beklagen sich Betroffene über zu wenig freie Plätze und lange Wartezeiten. Gleichzeitig kann die Hemmschwelle, Therapien in Anspruch zu nehmen, hoch sein. Nach Ansicht einiger Wissenschaftler können in beiden Fällen Online-Angebote helfen. So sieht beispielsweise der kanadische Psychiatrie-Professor Michael Krausz von der University of British Columbia im Netz den einzigen Raum, in dem maßgeblich zusätzliche Kapazitäten für die Therapie geschaffen werden können. In einer Zeit, in der ohnehin mehr Menschen unter psychischen Belastungen litten, böten webbasierte Beratungs- und Therapieangebote neue Möglichkeiten, so Krausz.

Ein weiterer Punkt: Das Gesundheitssystem erreicht längst nicht alle Menschen – und das liegt nicht nur an Versorgungsengpässen im ländlichen Raum. „Studien haben gezeigt, dass es vielmehr an der Präferenz der Menschen liegt, ihre Probleme selbst zu bewältigen“, sagt David Ebert von der Universität Erlangen. Eberts Forschung am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie konzentriert sich auf die Entwicklung und Evaluation der sogenannten Internet- und mobil-basierten Interventionen, kurz: IMIs.

Doch wie funktionieren diese digitalen Helfer? Zunächst einmal kann das klassische Gespräch zwischen einem Therapeuten und seinem Patienten in den virtuellen Raum übertragen werden: etwa über E-Mails, Chats oder Video-basierte Sitzungen. Spezielle Apps können darüber hinaus für Erinnerungs-, Feedback- und Verstärkungsautomatismen genutzt werden. „Spür in dich hinein: Welche Emotionen sind aktiviert?“ oder „Bewerte deine Angst auf einer Skala von 1 bis 10“ könnten mögliche Aufforderungen lauten, die auf dem Smartphone eines Patienten eingehen. Außerdem können Apps an Termine und Aktivitäten erinnern und beispielsweise depressiven Menschen auf diese Weise die Rückkehr in den Alltag nach einem Klinikaufenthalt erleichtern.

Weitere Vorteile: IMIs sind unabhängiger von Ort und Zeit als klassische Therapieformen, Flexibilität und Autonomie für Patient und Therapeut steigen gleichermaßen. Betroffene haben ihr Handy ja quasi immer griffbereit in der Hosentasche.

Doch so viele gute Seiten die neuen Ansätze auch bieten mögen – mögliche negative Effekte sind noch nicht gut erforscht. Komme ein Patient das erste Mal über eine webbasierte Intervention mit der Therapie in Kontakt und habe keinen Erfolg, könne ihn das laut Ebert noch hoffnungsloser stimmen.

Mittlerweile haben Ebert zufolge außerdem viele Start-ups das Feld der webbasierten Angebote für sich entdeckt – allerdings seien viele kommerziell orientiert. In Task-Forces wie der der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) versuchen Experten aus diesem Grund nun , entsprechende Qualitätskriterien zu schaffen.

Wichtig ist laut Ebert zudem die Unterscheidung der Krankheitsbilder. Denn je nach Diagnose könne zwar auch die reine Selbsthilfe effektiv sein, etwa bei der Bewältigung von Schlafstörungen. „Es ist aber extrem wichtig, dass ein therapeutisches Konzept da ist, das Betroffene dabei unterstützt, die Methoden richtig anzuwenden, bei Krisen die notwendige Unterstützung gewährleistet oder bei Nicht-Erfolg in weitere Maßnahmen weiterleitet.“ Denn nicht für jeden Patienten sei dieselbe Behandlung die passende. „Wir müssen pro Patient entscheiden: Was ist das geeignete Medium?“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen