zur Navigation springen

Christiansens Netzwelt : Protest im Netz: Instagram hat einen mächtigen Gegner

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Instagram will die Kriterien ändern, nach denen Fotos in der Timeline auftauchen – und bekommt Gegenwind.

Ein Blick in die sozialen Medien offenbart uns, wie viele schöne, sportliche und weitgereiste Internet-Hipster es gibt. Es scheint, als könne sie nichts aus dem Konzept bringen, die Frisur verrücken oder den Schaum auf ihrem Latte macchiato zusammenfallen lassen. Bemerkenswert, dieser Wille, dieses Talent.

Doch eine Sache ängstigt sie mehr als der Sprung von einem vier Meter hohen Felsen in den tosenden Pazifik: die Versuche von Twitter, Facebook und neuerdings Instagram, sie in ihrem Mitteilungsdrang den Zwängen einer unbekannten Größe – des Algorithmus’ – zu unterwerfen.

Instagrams Idee, statt der neuesten bald die besten – also am häufigsten gelikten oder kommentierten Posts oben im Newsfeed anzuzeigen, löst einen Proteststurm aus. Max Mustermann hätte es dann nämlich schwer gegen Instagram-Queen Taylor Swift – das Ende der Chancengleichheit naht. Unter dem Hashtag #turnmeon fordern die Instagramer die Gemeinde auf, ihnen – den kleinen Lichern der Fotocommunity – zu folgen.

#notifications #TurnMeOn #staytogether #news @amaliyabeckman

Ein von Amaliya Beckman (@amaliyabeckman) gepostetes Foto am

Denn es gibt in den Netzwerken nur eine Währung, die für Fotos wirklich zählt: der Like. Jeder Klick auf den Daumen- oder Herz-Button bringt Bestätigung für das Ego, zeigt anderen, dass es hier wirklich was Tolles zu entdecken gibt – und generiert neue Follower und damit mehr Aufmerksamkeit für das vermeintlich vor weiteren atemberaubenden Bildern strotzende Profil. Geld verdienen die Nutzer damit nicht. Aber Geld macht ja bekanntlich nicht glücklich; soziale Akzeptanz und Anerkennung hingegen schon, auch wenn sie von wildfremden Menschen kommt.

Es gibt nichts Schlimmeres, als unbeachtet in der Timeline unterzugehen, zwischen all den anderen attraktiven Menschen, die es verstehen, sich oder ihren Latte Macchiato geschickt in Szene zu setzen.

Es scheint nichts Schlimmeres zu geben, als unbeachtet in der Timeline unterzugehen, zwischen all den anderen attraktiven Menschen, die es verstehen, sich oder ihren Latte macchiato geschickt in Szene zu setzen.

Instagram scheint zu ahnen, mit welchem mächtigen Gegner man sich anlegt, wenn man so mir nichts dir nichts die Werkzeuge ändert, und grätscht früh in den aufkeimenden Widerstand ein und postet (eine Hand zum Ego-Tätscheln ausgestreckt): „Wir hören zu und wir versichern euch, dass sich in eurem Feed zum jetzigen Zeitpunkt nichts ändert.“

zur Startseite

von
erstellt am 30.Mär.2016 | 19:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen