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Fligges Netzwelt : Programme wie Tütensuppe

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Roboter ersetzen nicht nur Fließbandarbieter. Auch Kreativberufe werden immer häufiger automatisiert, meint Kolumnist Tobias Fligge.

von
erstellt am 22.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Dass Programme auch Journalisten ersetzen, hat der ein oder andere schon gehört – zum Beispiel spät nachts auf der Autobahn. Dann klingen die Verkehrsinformationen bei manchen Radiosendern merkwürdig unnatürlich. Der Grund ist, dass die Sprecher nicht im Studio sitzen, sondern vermutlich schlafen. Sie haben einfach häufig vorkommende Phrasen und Orte wie die stauanfällige A7 vorab eingesprochen. Die werden dann von einem Programm zusammengesetzt. Das funktioniert nicht so gut, dass der geübte Hörer den Unterschied nicht bemerkt. Auch im Sport- und Wirtschaftsjournalismus werden – vor allem in den USA – Spiel- oder Börsenberichte mittlerweile von Software vollautomatisiert erstellt. Roboterjournalismus nennt man das in Branchenkreisen. Das liest sich, wie es sich anhört: ohne Gefühl und Herz.   Neben Journalisten müssen jetzt auch Musiker stark sein: Forscher haben in dem Projekt „TransPose“ eine Software entwickelt, die automatisch Musikstücke aus Texten erzeugt. Aus Literatur wird Musik, indem  bestimmte  Sequenzen von Noten Emotionen zugeordnet und mit einer Liste von Wörtern verknüpft werden. So lässt sich dann zu jedem Text der passende Soundtrack erstellen. Für diese Art von Musik gilt (noch) dasselbe wie für den Roboterjournalismus: Ernst nehmen muss man es leider trotzdem. Auch Tütensuppe findet genügend Abnehmer.

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