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Richters Netzwelt : Private Fahndungsaufrufe: Gut gemeint, aber nicht erlaubt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Private Fahndungsaufrufe machen nach den G20-Krawallen in den sozialen Netzwerken die Runde. Das kann nach hinten losgehen.

Brennende Autos, steinewerfende Gewalttäter und Plünderer, die Sachen aus Geschäften herausschleppen - die schlimmen Bilder des G20-Gipfels in Hamburg sind uns allen wohl noch sehr präsent.

In den sozialen Netzwerken machen viele Bilder und Videos von Privatleuten die Runde, die randalierende und brandschatzende Gruppen zeigen. Auch einige Journalisten und Medien mischen mit. Sören Kohlhuber, der mit „Zeit online“ zusammenarbeitete, veröffentlichte über Twitter Bilder von angeblichen Rechtsextremisten. Die gezeigten Personen wurden daraufhin bedroht und angegriffen. „Zeit online“ beendete die Zusammenarbeit mit Kohlhuber. Die Bild-Zeitung veröffentlicht auf ihrer Homepage Fotos von Steine- und Flaschenwerfern, bezeichnet sie als „Verbrecher“ und ruft die Leser dazu auf, die Leute zu identifizieren - ohne dies mit der Polizei vorher abgeklärt zu haben.

Um es klar zu sagen, es ist nicht die Aufgabe von Privatpersonen und Journalisten, sich zur Polizei aufzuschwingen - auch, wenn man noch so wütend ist. Mehr noch, es ist verboten und kann gerichtlich verfolgt werden. Auch Straftäter haben Persönlichkeitsrechte.

Fahndungsaufrufe müssen von Strafverfolgungsbehörden stammen. Gibt es einen offiziellen Fahndungsaufruf, dürfen Medien und Privatpersonen diesen teilen. Sonst nicht. Die meisten wissen vermutlich gar nicht um die Rechtslage. Ziemlich häufig gibt es Bitten von Lesern, doch auf unseren sozialen Netzwerke private Aufrufe wie „Wer kennt diesen Mann? Er hat mein Fahrrad geklaut“ weiterzuverbreiten.

Immerhin: Die „Bild“ verweist in ihrer Berichterstattung über die G20-Randalierer auf das Hinweisportal der Hamburger Polizei. Unter https://hh.hinweisportal.de können Bürger ihre selbst gemachten Fotos und Videos von Verdächtigen und Straftaten, die während des G20-Gipfels mutmaßlich begangen wurden, hochladen und so die Polizei unterstützen.

Bislang sind mehr als 1000 Hinweise eingegangen. So kann man der Polizei helfen, ohne selbst in ihren Fokus zu geraten.

 

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erstellt am 12.Jul.2017 | 08:00 Uhr

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