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Nagars Netzwelt : Preisliste für Hasskommentare

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Merkel steinigen: 2000 Euro. Die Stiftung Warentest listet auf, wie viel Hetze und Gewaltaufrufe kosten.

von
erstellt am 20.Mai.2016 | 01:30 Uhr

Für die einen ist es Meinungsfreiheit, für die anderen die dümmste Streitkultur der Welt. Hetze ist ein ebenso fester wie abscheulicher Bestandteil der Netzwelt geworden. Doch wer austeilt, muss auch einstecken können – und zwar zum Teil saftige Geldstrafen. Die Stiftung Warentest hat jetzt in ihrer unnachahmlich sachlichen Art überprüft, wie das Preis-Leistungs-Verhältnis ist: Welches Hassgekübel kann man für einen Schnäppchenpreis von unter 1400 Euro absondern und wo muss der Hobbyhetzer tiefer in die Tasche greifen?

 

Günstigste Hetze war in diesem Fall die Aussage, dass  „dieses Pack“ „gesteinigt und an die Wand gestellt“ gehöre, nebst Verbalkeule gegen einen Oberbürgermeister, der sich als „erbärmliche Dreck-Sau“ und „Voll-Assi“ auszeichne. 1380 Euro Strafe wurden dafür verhängt – 60 Tagessätze zu je 23 Euro. Etwas teurer wurde es für einen Nutzer, der die öffentliche Steinigung Merkels forderte: 80 Tagessätze zu je 25 Euro. Und immerhin 4800 Euro (120 Tagessätze zu je 40 Euro) musste ein Nutzer zahlen, der dafür ist, „dass wir die Gaskammern wieder öffnen und die ganze Brut da reinstecken.“

Das Fazit richtet die Stiftung Warentest auf ihrer Facebookseite aber an die Nutzer, die sich vom Hass belästigt fühlen: „Lasst euch von Hasskommentaren nicht entmutigen und davon abhalten, euch an Debatten zu beteiligen. Eine aufgeklärte und fortschrittliche Gesellschaft benötigt rationale und sachliche Diskussionen.“ Hobbyhetzer müssen also selbst abwägen, ob sie bereit wären, im Zweifelsfall mehrere tausend Euro für einen Aufruf zur Steinigung zu bezahlen. Auch hier gilt: Eine Todesdrohung gegen die Bundeskanzlerin gibt es für 2000 Euro – ein Minimum an humanistischer Grundethik und die Fähigkeit, ohne Beleidigungen zu diskutieren, sind unbezahlbar.
 


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