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Soziale Medien : Politiker bei Instagram: Cooler Robert Habeck, guckender Olaf Scholz

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Die digitale Karawane zieht weiter: Ein Instagram-Profil gehört im Internet zum guten Ton. Das haben auch Politiker gemerkt. Ein Streifzug.

Politiker und soziale Medien gehen nicht immer eine glückliche Verbindung ein. Man rufe sich nur den Twitter-Account des SPD-Chefs Sigmar Gabriel vor Augen, dessen letzter Eintrag auf den Oktober 2013 datiert – mit dem Verweis auf massive technische Probleme bei einem Chat. Und darauf folgte: nichts. Für Social Media-Experten eine Peinlichkeit.

Dabei kann ein geschicktes Auftreten im „Neuland“ Internet für Politiker eine Chance sein, sich und ihre Partei als jung-dynamisch und am Puls der Zeit darzustellen, unabhängig von allzu kritischen Medien. Gabriels Genosse Ralf Stegner ist für seine zum Teil spitzen Bemerkungen auf Twitter bekannt – immer wieder werden seine süffisanten Tweets zitiert.

Derzeit verlagert sich das Interesse jedoch von Facebook und Twitter immer mehr in Richtung Instagram. Weg von Links und Worten, hin zur Bildsprache. Die Bilder-Plattform von Facebook ist besonders bei jüngeren Nutzern beliebt. Eine Zielgruppe, die man mit Kugelschreibern an Infoständen in der Fußgängerzone nicht mehr so leicht erreicht. Auch Angela Merkel – oder vielmehr ihre Medienberater – haben das erkannt und im Juni ein Instagram-Profil unter dem Namen @Bundeskanzlerin eingerichtet. Medienexperten empfehlen, die Plattform für das sogenannte Visual Storytelling zu nutzen, in einer Mischung aus ansprechenden Bildern mit kurzer Einordnung und einigen Hashtags.

Auch im Norden versuchen Abgeordnete mit durchwachsenem Erfolg, auf der Plattform Politik zu machen. Neu dabei ist Robert Habeck. Der Umweltminister unterhält bereits ein Facebook-Profil und ein Twitter-Konto. Doch auf der Spielwiese Instagram sieht er Potenzial: „Für die Fälle, wo Bilder mehr als Worte sagen.“ Doch genau darin lauert auch die große Falle, wenn nämlich die Bilder mehr als alle Worte von Ahnungslosigkeit und Langeweile oder gar unfreiwilliger Komik zeugen. Ein Blick in die norddeutsche Instagram-Ebene.

Der Berufsjugendliche: Robert Habeck, Grüne

Ab jetzt ist das mein Instagram-Account. Für die Fälle, wo Bilder mehr als Worte sagen.

Ein von Robert Habeck (@robert.habeck) gepostetes Foto am

Robert Habeck hat Instagram neu für sich entdeckt. Gleich sein erster Post zeigt den 45-jährigen Grünenpolitiker berufsjugendlich. In kurzer Hose lehnt er lässig an einem besprühten Garagentor mit einem roten „r“ darauf. Man wundert sich, dass er nicht auch gleich ein Longboard hochkickt. „Ab jetzt ist das mein Instagram-Account“, schreibt der Umweltminister dazu.

Offenbar mehr als Worte sagt das Foto einer Gruppe FÖJler und ein wenig abstrakt: Ein Schnappschuss auf der Föhr-Fähre mit dem Aufruf gegen Plastikmüll im Meer. Ein weiteres Bild bringt den kleinen Rebellen zum Vorschein: Das Autobahnschild „Der echte Norden“ kommentiert Habeck trocken mit: „Du fährst 4 Stunden durch Dänemark nach Süden. Und wo kommst du an? - Im echten Norden.“ Schwingt hier etwa leicht aufmüpfige Kritik an der Marketing-Kampagne seiner eigenen Regierung mit? 

Stadt, Land, Fluss mit Rasmus Andresen, Grüne

Zugegeben, er ist schon 29 Jahre alt. Für einen Politiker ist das aber noch Kükenalter. Rasmus Andresen könnte man als das bezeichnen, was Günther Oettinger so schön schwäbelnd „Ditschitell Neitiffs“ nennt. Sein Instagram-Konto unter dem Namen @gruenrasmus zeugt davon jedoch kaum. 437 Abonnenten mögen es trotzdem. Winterliche Landschaften und ein Basketballspiel in den USA: Andresen nutzt das soziale Foto-Netzwerk eher für private Schnappschüsse, teils ohne Kommentierung. Sein aktuellster Beitrag ist ein Foto vom Flensburger Hafen vor 19 Wochen. #lovelyeasterholiday wünscht er.

Olaf Scholz Looking at Things

Fans des Hamburger Bürgermeisters kommen bei Instagram auf ihre Kosten: Der SPD-Politiker ist auf jedem seiner Bilder selbst zu sehen, buchstäblich auf jedem. Dabei postet er schon seit mehreren Jahren, immerhin kommen mehr als 400 Scholz-Bilder und 325 Scholz-Abonnenten zusammen. Händeschüttelnd, auf Podien stehend oder Fahrrad fahrend. Schlüssel übergebend. Mit Gauck, Merkel oder König Willem Alexander. Seine Kommentare dazu: Hanseatisch-distanziert, nüchtern, emotionslos. Es mag sich um offizielle Pressetexte handeln. Seine Betrachtung verschiedener Dinge und Orte erinnert an den beliebten Blog „Kim Jong-Il looking at things“, der die unfreiwillige Komik der offiziellen Pressefotos des Nordkoreaner herauskitzelte.

Hasta la Vista, Torgator: Torge Schmidt, Piraten

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Ein von Torch (@torgator) gepostetes Foto am

Wenn jemand sich im Netz auskennt, dann doch die Piraten. Torge Schmidt veröffentlicht Fotos von Reisen und vom Essen. Damit kann man auch schließlich kaum etwas falsch machen. So erfahren seine 158 Abonnenten, dass in Jerusalem St. Pauli-Aufkleber kleben und Schmidt Hackbraten als Vorspeise genießt. Politisch wird es kaum, bis auf den Spruch „Ich verklopp Nazis mit Singlespeed Rädern.“ Fotos von digitalen Themen sucht man unterdessen vergebens. Auch veröffentlicht der SH-Pirat nur unter einem Nicknamen, der allerdings bereits von Twitter bekannt ist. 

Der Foodporner: Carsten Ovens, Landesvorsitzender der Jungen Union Hamburg

Carsten Ovens mag Kaffee, Essen und Hamburg. Das tut er auf Instagram zu Genüge kund: Seine Posts zeigen das Hamburger Rathaus, gesundes Frühstück oder Kaffeebecher aller Form und Couleur. Immerhin 475 Abonnenten können so regelmäßig erfahren, was es zum Frühstück und zum Mittag gibt. CDU-affine Bilder kommen zwischendurch vor, sind aber in der Unterzahl. Ebenfalls vermisst man vor allem eines: Menschen. Nur auf seinem Profilfoto grinst einem der Jungpolitiker entgegen. Man möge ihm einen Selfiestick schenken.

Der Selfie-König: Michael Kruse von der FDP Hamburg

Fraktionssitzung auf dem CSD-Wagen! #hhbue #FDP #germanmut #hamburg #csd2015

Ein von Michael Kruse (@michael.kruse.75) gepostetes Foto am

Über den Mangel an Selfies darf man sich bei Michael Kruse nicht beschweren. Der Liberale zeigt beim eher unfotogenen Alltag zwischen Papieren und Podien gern sich selbst. Ganz nah. Er sieht so glücklich dabei aus, selbst am Infostand beim Straßenfest oder auf Klausurtagungen. 167 Abonnenten freuen sich mit ihm. Lediglich seine Universal-Hashtags nerven: #hhbue #FDP #germanmut #hamburg passt offenbar zu allem außer Rehbraten. Dazu passt nur Rotkohl.

Tja. Lars Winter, SPD

Ein Scheck wird übergeben und in einer Gruppe wird sich mit Stegner getroffen. So sieht offenbar das politische Leben des SPD-Finanzexperten Lars Winter aus. Nicht im Bild: Der Rassegeflügelzuchtverein ehrt seine langjährigen Mitglieder und der erste Spatenstich für ein neues Einkaufszentrum wird feierlich begangen. Sonst arbeitet Winter die Ikonografie der Lokal-Langeweile konsequent ab.

SPD im Sternenglanz: Kazim Abaci aus Hamburg

Kazim Abaci setzt voll auf die Bildsprache. Wortlos und ohne Hashtags schleudert der Hamburger sein Konterfei, gern mit SPD-Logo, zuweilen mit Glitzeroptik, in die Instagram-Welt und mag dafür vielleicht Resonanz erwarten. Erhält er aber kaum. So wenige Likes und keine Kommentare zeugen davon, dass die Eigenwerbung des SPD-Politikers offenbar ungehört verhallt. Trotzdem haben ihn 365 Menschen abonniert.

Seiner Zeit voraus: Konstantin von Notz, Grüne

Harald Terpe und ich in Grenzhus in Schlagsdorf, MV, an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Ein von Konstantin v. Notz (@konstantinnotz) gepostetes Foto am

Während andere Politiker vor etwa zwei Jahren noch nicht einmal überlegten, doch mal dieses Instagram auszuprobieren, von dem da alle sprechen, entschied sich Konstantin von Notz, sein Profil brach liegen zu lassen. Der Digital-Experte im Bundestag hatte ein Jahr zuvor sein Konto eingerichtet und hat sich mit einem guten Mix aus Buntem, Politischem und Kuriosem durchaus gut geschlagen. Sein Streifzug durch das Medium endet mit schummrigen Fotos. Bevor es den gleichen Weg geht, wie das Twitterprofil von Sigmar Gabriel.

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erstellt am 17.Aug.2015 | 18:56 Uhr

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