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Flensburg : Plausch-Café: Lokale Alternative zu Facebook

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Chats, Freunde suchen – und gemeinsame Treffen im „echten Leben“: Mit dem „Plausch-Café“ möchte Kristof Dittus eine soziale Plattform für Flensburg schaffen – eine Art lokales Facebook.

Die Netzwelt liebt es kostenlos: Für einen Online-Service Geld zu bezahlen, ist für viele Nutzer ein rotes Tuch. Doch auch wenn eine Plattform kostenlos ist – die Nutzer geben etwas dafür. Entweder Zeit und Nerven für blinkend-blöde Werbung. Oder Daten.

Genau das findet Kristof Dittus falsch. Der 25-Jährige aus Freienwill (Kreis Schleswig-Flensburg) möchte daher eine Plattform für Flensburg schaffen, die ohne Werbung und Datenhandel auskommt. Seine Idee: Ein soziales Netzwerk für die Fördestadt, ein gemütliches, virtuelles Café, in dem sich die Stadt trifft und neue Leute kennen lernt. Ein „Plausch-Café“, wie er es nennt. Chats, Freunde suchen – und gemeinsame Treffen im „echten Leben“ sollen damit möglich sein. Daher soll das Netzwerk auch zunächst auf Flensburg beschränkt bleiben. Im Netz vermisse Dittus den Zusammenhalt, den er aus seinem dänischen Freundeskreis kennt. Mit einigen Freunden und Unterstützung aus der Familie ist der 25-Jährige seit 2013 dabei, das soziale, lokale Netzwerk aufzubauen. Die Webseite steht schon: Unter www.plausch-cafe.de können Flensburger ab 18 Jahren sich anmelden und ein persönliches Profil einrichten. Dates finden ist möglich, aber eigentlich geht es um Freundschaften. Bislang haben es sich 37 Nutzer gemütlich gemacht in dem Café, hauptsächlich Tester aus dem Bekanntenkreis. Eine Probephase bis zum 31. Juli erlaubt eine kostenlose Teilnahme. Doch ab dann möchte Dittus Gebühren nehmen. 9,99 Euro zahlen die Teilnehmer dann pro Monat, wenn sie alle Funktionen nutzen möchten.

Die Bezahlung folgt über Paypal – ein paar Daten muss der Nutzer also doch in den USA bunkern lassen. „Aber das bedeutet, dass bei uns keine Bankdaten gespeichert werden“, sagt Dittus. Außerdem mache der Paypal-Button es möglich, einmalig ohne Abo zu bezahlen. Über die Bezahlung kann man also jeden Monat aufs Neue entscheiden. Eine Mager-Variante bleibt aber immer kostenfrei. „Ich möchte damit ja keine Millionen machen, aber wir möchten gerne hauptberuflich davon leben können“, sagt Dittus. Wir, das sind bislang er selbst und zwei Freunde, die sich um Programmierung und Marketing kümmern. Denn die Pflege der Seite kostet Zeit und Geld. Drei Monate hat allein die Arbeit an der Startseite gedauert. Denn das Skript der Seite – ursprünglich für Dating-Plattformen konzipiert – ist zwar eingekauft, Programmierer Tobias Menzel musste aber viel anpassen und übersetzen. Seitdem kommt immer wieder neue Arbeit: 50 Hackerangriffe gibt es pro Tag, meist von Bots. Außerdem ist auch noch etwas Arbeit an den Apps nötig. Die sollen demnächst fertig sein.

Dittus hofft, dass etwa 1000 bis 1400 Flensburger ins „Plausch-Café“ kommen, ab dann würde sich die Seite finanziell tragen – und erst ab einer gewissen Zahl wird auch die Nutzung interessant. Bis dahin behält er noch seinen 450-Euro-Job als Webseiten-Betreuer. „Wir wollen spontan versuchen ob es klappt. Aus Lust und Laune“, sagt er. Doch finden die Nutzer im „Plausch-Café“ etwas, das Facebook nicht bieten kann? „Den Netzwerken ist das Soziale abhanden gekommen“, urteilt Dittus. Der Umgangston, auch in lokalen Gruppen wie Flensbook, sei ruppig – das mögen viele nicht. Er selbst sei zwar bei Facebook angemeldet, aber nicht aktiv. „Ich will nicht dauernd Fotos vom Mittagessen sehen.“ Doch auch wenn die Kosten Nutzer abschrecken sollten und das Portal kein Erfolg wird: Dittus bereut die Idee nicht. „Ich habe ungeheuer viel gelernt. Und das Wissen kann mir keiner mehr nehmen.“

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erstellt am 25.Apr.2015 | 04:00 Uhr

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