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Netzwelt

18. August 2017 | 05:40 Uhr

Phantom- Vibrationen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unser Leben vibriert und klingelt – sogar dann, wenn uns gerade niemand mobil erreichen will. Sind wir alle verrückt?

Mein Smartphone vibriert. Das merke ich sofort. Meine Handtasche vibriert nämlich mit, zwei Mal kurz. Das könnte eine WhatsApp-Mitteilung sein oder eine Push-Meldung, eine SMS oder irgendetwas anderes wichtiges. Ich bleibe auf dem Bürgersteig stehen, krame nach meinem Telefon, finde es. Es ist nichts wichtiges. Genauer: Es ist rein gar nichts. Eine Phantom-Vibration. Schon wieder.

Dieses Wort habe ich mir nicht gerade ausgedacht. Wissenschaftler weltweit erforschen dieses Phänomen. In den vergangenen Jahren wurden Studien veröffentlicht, die das Verhältnis zwischen Mensch und Telefon untersuchen. Ergebnis: Ich bin nicht allein, die meisten Befragten kennen das. Zum Beispiel fand der Psychologe David Laramie aus Beverly Hills (Kalifornien) zwei Einflussfaktoren heraus: Jüngere Leute erfahren öfter Phantom-Vibrationen als ältere – genauso wie Menschen, die eine enge emotionale Verbindung zu ihrem Smartphone aufbauen. Sie schauen auf das Handy, wenn sie sich beruhigen oder ihrer Freundschaften versichern wollen.

„Das ist Teil der modernen Gesellschaft und unserer Beziehung zur Technologie“, sagte Laramie jüngst dem Magazin „Wired“. Machen Sie sich also keine Sorgen, wenn Sie selbst auch Phantom-Vibrationen erfahren – oder Ihre Kinder. Wir alle sind nicht verrückt. Diese Halluzinationen sind offenbar ziemlich normal.

Der menschliche Körper macht ja die seltsamsten und faszinierendsten Dinge. Im Fall der Phantom-Vibration sucht mein Gehirn offenbar nach Mustern und Regeln, um meinem Körper das Überleben sicher und leicht zu machen. Einfach erklärt: Die Kleidung reibt an der Haut, dabei werden die gleichen Rezeptoren in der Unterhaut in ähnlicher Weise aktiviert wie bei einem Vibrationsalarm – und das Hirn meldet: „Das Telefon klingelt, schnell, sieh nach!“ In meinem Fall reibt die Tasche an der Kleidung, die wiederum an der Haut reibt.

Bei Vibrationen hört das Phänomen übrigens nicht auf. Viele hören auch ihr Telefon klingeln, wenn es eigentlich schweigt. Vor einigen Jahren hielt ich es für eine gute Idee, mein Handy mein Lieblingslied klingeln zu lassen. Als ich den Song mal in der Disco hörte, fühlte ich mich auf der Tanzfläche plötzlich ziemlich unentspannt. Am nächsten Tag änderte ich den Klingelton. Genau das raten übrigens auch die Experten, wenn die Handy-Halluzinationen zu sehr nerven.

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von
erstellt am 06.Okt.2014 | 15:46 Uhr

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