Fligges Netzwelt : Personalisiert und unsichtbar: Gefährliche Wahlwerbung

Auf Facebook und Google lässt sich auch politische Werbung schalten – mit zum Teil rassistischen Kategorien.

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19. September 2017, 11:48 Uhr

Werbung in den sozialen Netzwerken und auf Google – für die Konzerne ist sie ein äußerst lukratives Milliardengeschäft. Vor allem Facebook und der Suchmaschinendienst dürften äußerst genau wissen, was ihre Nutzer im Innersten bewegt. Ein unschlagbares Verkaufsargument im Werbegeschäft. Man kann es gut finden, zielgenau auf Angebote hingewiesen zu werden. Einmal „Kaffee“ googeln und eine Woche lang Anzeigen für Espresso-Maschinen sehen. Man kann es auch beängstigend finden. Ich suche auf Google oder gar Facebook nicht mehr nach Themen, über die ich nur mit engen Freunden sprechen würde. Die Schere im Kopf wirkt.

Noch problematischer wird es bei politischer Werbung, die in Monaten vor der Bundestagswahl 2017 sichtbar wird. Während auf der Straße der Wahlkampf durch Infostände und Plakate zu sehen ist, läuft die Jagd nach Stimmen im Netz unsichtbar. Auf Facebook sehe ich nicht wie derzeit an vielen Orten Schleswig-Holsteins ein großes Spektrum der zur Wahl stehenden Parteien. Ich sehe vor allem die Werbung der Parteien, die mich zielgenau ansprechen wollen.

Meinungen und Vorurteile zementieren sich, wenn Gegenpositionen nicht mehr stattfinden. Besonders schlimm aber ist es, wenn Google und soziale Netzwerke die Möglichkeit bieten, gezielt über rassistische Begriffe zu werben. So wurde bekannt, dass Seitenbetreiber bis zum vergangenen Donnerstag auf Facebook ihre Werbekunden nach Interessen wie „Wie verbrennt man Juden“, „Muslime-töten“ und „Ku-Klux-Klan“ auswählen konnten. Das fanden Journalistinnen der Recherche-Plattform „ProPublica“ heraus. Zu ähnlichen Ergebnissen führten Recherchen diese Woche auch bei Twitter und Google.

Alle Dienste haben nach Bekanntwerden der Recherche gegengesteuert. Sie hätten rassistische Werbung jedoch von vornherein vermeiden müssen. Mit großem Profit kommt große Verantwortung, sollte man meinen. Auch darüber hinaus zeigt die Episode: Die Entscheidungsgewalt über personalisierte Politik-Werbung – gerade in Zeiten des Wahlkampfes – sollte nicht Facebook oder Google überlassen werden.

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