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Christiansens Netzwelt : Permadeath-Spiele: Für immer tot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Permadeath-Spielen geht es um einen besonderen Reiz: Man darf nicht verlieren – dann ist der Spaß vorbei.

Für mich wäre das wohl nur ein kurzer Spaß: Der Adrenalinspiegel schnellt nach oben – ich weiß, hier geht es um was. Um mein Leben, genauer gesagt. Und ich habe ja nur eins. Und dann... tot. Ganz schnell. Für immer.

Spieleentwickler arbeiten stetig daran, ihre Kunden an die Konsole zu fesseln und lecker zu machen auf mehr: auf die nächste Runde, darauf sich zu verbessern, den Punktestand zu toppen. Nicht so bei Permadeath-Spielen (Permadeath meint den ewigen Tod). Hier versuchen sie, die Gamer zu begeistern für DAS EINE Spiel, auf dass es ewig dauern möge. Denn es soll das einzige bleiben – ist die Spielfigur erst einmal tot, bleibt sie es auch, Nach nur einem Versuch. Neustart ausgeschlossen.

Aber geht man bei solch hohem Einsatz tatsächlich vorsichtiger an das Spiel heran (so die Vermutung der Entwickler)? Und: Ist es überhaupt noch ein Vergnügen, wenn die Drohung des ewigen Spieler-Todes stets über allem schwebt?

Ich erinnere mich an ein Beispiel aus der Realität: meine erste Paintball-Erfahrung – das ist dieses Teamspiel, in dem man seine Gegner in einem realen Parcours mit echten Farbkugeln abknallt, sobald sie einem vor die Flinte laufen. Ganz ohne Konsole. Echter Kontakt zwischen Körper und Kugel.

Meine Erfahrungen waren prägend, nach dem ersten Treffer hatte ich schon Angst vor der nächsten Runde. Ich hatte ja schmerzlich erfahren, was auf dem Spiel steht. Auch, wenn ich mich weiter am Spiel versuchen konnte, die Auswirkungen des erneut drohenden Kugeleinschlags waren sicher realer, als die vor dem ewigen Tod im Spiel. Daraus gelernt hatte ich trotzdem nicht sofort. Ich wurde nicht vorsichtiger, eher hektisch, weil ängstlich. Da macht man schneller mal Fehler – ich zumindest. Und ein Vergnügen? Trotz der unzähligen blauen Flecke schon irgendwie. Ich würde es wohl wieder machen. Irgendwann. Aber das kann ich ja auch. Ich lebe ja noch.

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erstellt am 05.Okt.2015 | 08:36 Uhr

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