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Die Verlierer der Woche : Pepsi, United, Sean Spicer: Darum twittern jetzt alle „hold my beer“

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Eine Woche voller PR-Desaster ließ Twitter heiß laufen. In den USA entstand daraus ein neues Supermeme.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2017 | 12:38 Uhr

Am 4. April läutete Pepsi mit einem peinlichen Werbespot die Woche der PR-Pleiten in den USA ein. Schon fünf Tage später lief United Airlines dem Softdrink-Hersteller den Negativ-Rang ab und zerrte einen zahlenden Passagier gewaltsam aus dem Flugzeug. Daraufhin entschied sich Trump-Sprecher Sean Spicer, das Desaster perfekt zu machen und verkündete am 11. April, nicht einmal Hitler habe chemische Waffen eingesetzt.

Diese PR-Abwärts-Spirale blieb in den sozialen Netzwerken, wo die traurige Wahrheit traditionell in erheiternde Memes gegossen wird, gewiss nicht ohne Beachtung. So fasste beispielsweise Twitter-User und Photoshop-Virtuose Chris Melberger passend zusammen: „Wenn die vergangene Woche eine Person wäre, dann diese hier.“

Wer die vergangenen Tage ohne Internet im Wald verbracht hat, wird sich fragen: Bitte was? Worum geht es? Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Nachruf:

Am vorvergangenen Dienstag veröffentlichte Pepsi einen unangenehmen Werbespot mit Kim-Kardashian-Schwester Kendall Jenner in der Hauptrolle. Diese schließt sich als entlaufenes Fotomodell direkt vom Set einem undefinierten Friedens-Protest an, um schließlich die Konfrontation mit der Polizei zu entschärfen – mit einer Dose Pepsi. 

Quasi augenblicklich empörte sich das Netz darüber, dass hier zum einen Polizeigewalt gegenüber Minderheiten verharmlost werde, zum anderen eigne sich die Marke die Bürgerrechtsbewegung in den USA an, um ihr Zuckerwasser zu vermarkten. Am Mittwoch wurde der Spot nach den heftigen Protesten wieder eingestampft, doch die Twitter-Mühlen mahlten da bereits auf Hochtouren. Sogar Bernice A. King, Tochter des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King, schaltete sich zu: „Wenn Papa nur von der Macht von Pepsi gewusst hätte.“

 

Die Pepsi-Empörung fand ein jähes Ende, als ein neues Ziel gefunden war: Am Montag verbreiteten sich rasant die Bilder von United Airlines' gewöhnungsbedürftiger Kundenbehandlung im Internet. Ein regulär gebuchter Passagier wurde gewaltsam aus einem Flugzeug entfernt, um Crewmitgliedern Platz zu machen.

Es folgte eine Serie an Semi-Entschuldigungen seitens der Fluggesellschaft, die, anstatt das Desaster abzuwenden, die Empörung noch anfeuerten. Auf Twitter sahen die Reaktionen auf den Vorfall in etwa so aus:

Und dann kam Sean Spicer, Trumps Sprecher im Weißen Haus, und setzte der Woche mit einer folgenschweren Pressekonferenz die Krone auf: Um zu verdeutlichen, warum Russland endlich die Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad einstellen müsse, bemühte Spicer einen Vergleich zur Nazi-Zeit. Nicht einmal eine so verabscheuungswürdige Person wie Adolf Hitler sei so tief gesunken, Chemiewaffen einzusetzen.

Fassungslos hakten die anwesenden Journalisten nach, was denn seiner Meinung nach mit Millionen Menschen in den Gaskammern geschehen sei. Stimmt, an die „Holocaust-Zentren“ konnte Spicer sich dann plötzlich doch erinnern – ein Ausdruck, der übrigens in keiner Sprache dieser Welt synonym für Konzentrationslager verwendet wird.

Und das ist der Punkt, an dem auf Twitter in den Gruppenmodus gewechselt wurde – denn eine Woche voller Steilvorlagen geht am Internet nicht spurlos vorbei. Ein neues Supermeme war geboren. Es sieht folgendermaßen aus:

 

Das Meme besteht aus einer Konversation der drei gebeutelten Parteien, in welcher der Schlamassel des Vorgängers vom nächsten übertrumpft wird. Was nicht fehlen darf ist der Einwurf „hold my beer“ (deutsch: „Halt mal mein Bier!“), der so oder in abgewandelter Form schon länger im Internet kursierte, wo Unternehmen, Individuen und Institutionen drauf und dran waren, ihren Ruf nachhaltig zu ruinieren – in Anlehnung an kopflose Aktionen junger Menschen im bierfähigen Alter.

Ein Meme übrigens, das sich entsetzlich schnell abträgt, und doch wird es auf Twitter nun tausendfach verbreitet. Die nachfolgenden Beispiele zeigen, mal mehr und mal weniger gelungen, einen Auszug:

 

 
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