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Verein Computer Spende Hamburg : PCs für Hartz-IV-Empfänger: Wo Computer helfen können

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Von Hartz-IV-Empfängern für Hartz-IV-Empfänger“: Nach diesem Motto betreiben Horst und Angelika Matzen ihren Verein „Computer Spende Hamburg“. Sie bereiten Rechner auf und geben sie dorthin, wo sie gebraucht werden.

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erstellt am 23.Dez.2015 | 17:33 Uhr

Jeden Tag arbeitet Horst Matzen in seiner Werkstatt im Osten Hamburgs. Hier ist alles voller Müll – ausgediente PCs, Laptops, Drucker und Patronen, Kabel und noch viel mehr stapelt sich hier auf knapp 90 Quadratmetern. „Man wundert sich, was alles weggeworfen wird“, sagt der 63-Jährige. Für ihn ist das Lager voller Schätze – und voller Chancen für Menschen in Not. Der Verein „Computer Spende Hamburg“ macht gebrauchte Rechner wieder flott und gibt sie an bedürftige Hartz-IV-Empfänger heraus.

Nicht alles, was hier landet, ist kaputt – auch abgeschriebene Büroausstattung findet den Weg in die heilenden Hände des Renters. „Wir kriegen teilweise richtige Sahnestücke hierher“, freut er sich und zeigt auf einen Stapel Windows-10-fähiger Rechner. Damit übertreffen diese Geräte die Mindestanforderungen, die Matzen an die Spenden, die größtenteils von Unternehmen kommen, stellt: Nicht älter als zehn Jahre sollten sie sein und mindestens mit dem Windows-Betriebssystem XP laufen. Viel leisten können müssen die Geräte bei ihren künftigen Besitzern nicht: Sie sollen ihnen helfen, eine neue Perspektive zu finden – dafür reicht es schon, wenn der Nutzer damit im Internet nach Arbeit suchen und Bewerbungen schreiben kann. Für viele bereits eine große Hürde. „Betroffene kommen da oftmals ohne Hilfe nicht raus“, sagt Matzen. Einmal Hartz IV-Bezieher, befänden sich viele Menschen in einem Abwärtsstrudel aus Ablehnung, sozialer Isolation und schließlich Resignation. „Wenn man in Hartz IV hineinrutscht, wird man mit anderen Augen gesehen“, weiß auch Matzens Frau Angelika. Das Ehepaar selbst lebt seit Jahren von Hartz IV, Horst Matzen ist seit April in Rente. Mit ihrem Leben als Ehrenamtler haben die beiden wieder eine Aufgabe bekommen: „Ich habe mein Hobby zum Lebenswerk gemacht“, ein Vollzeitjob, sagt der gelernte Sanitärinstallateur und Bauklempner. In der Werkstatt schalte er ab, tauche in eine andere Welt ein – „es fesselt mich, auch wenn es mal knifflig wird“. Er habe sich das technische Wissen selbst beigebracht, erzählt Matzen: „Und es gibt immer was Neues, die Technik geht weiter.“

Wie wichtig ihm diese Aufgabe ist, weiß auch seine Frau: „Wenn er mal nicht in die Werkstatt darf oder kann, dann nörgelt er“, erzählt die 58-Jährige und lacht. Sie hält hinter den Kulissen die Fäden in der Hand, führt Listen, vereinbart Termine. Inzwischen sind die beiden ein eingespieltes Team.

Auf neun Quadratmetern fing im Jahr 2004 alles an: In Eutin (Kreis Ostholstein) eröffneten Horst Matzen und seine Frau als zweites Standbein neben einem Teeladen einen Reparaturservice für defekte Computer, den „PC Doktor“. Viele seiner Kunden seien Hartz IV-Empfänger gewesen, die sich eine PC-Reparatur nicht leisten konnten. Ein Besuch auf einem Recyclinghof öffnete Horst Matzen schließlich die Augen: „So viele heile Geräte standen dort als Elektroschrott herum“, erinnert er sich. Beruflich ging es dann über Lütjenburg im Kreis Plön nach Hamburg. Seit sechseinhalb Jahren engagieren sie sich nun in ihrem gemeinnützigen Verein „Computer Spende Hamburg“.

Und das hat sich herumgesprochen: Heute sind die knapp 90 Quadratmeter, die die Wohnungsgesellschaft Saga den Matzens gegen Übernahme der Nebenkosten zur Verfügung stellt, schon fast zu klein. An guten Tagen liefern Unternehmen 250 ausgemusterte Geräte auf einmal. Dafür haben die Matzens keinen Platz, doch die Kölner Ortsgruppe des Vereins – eine von vier Ortsgruppen bundesweit – springt ein, holt die Sachen ab. Bis zu 40 PCs im Monat verlassen das Hamburger Lager, insgesamt sind 2485 Geräte durch die Hände des Tüftlers zu neuen Besitzern gegangen.

Die Matzens betreiben die Computer-Spende mit viel Idealismus: „Ich achte schon drauf, wer einen PC bekommt“, sagt Horst Matzen. Er wolle verhindern, dass er seine Geräte auf Online-Verkaufsplattformen wie Ebay wiederfinde – und gern leuchtende Augen sehen, wenn ein Gerät seinen Besitzer wechselt. „Es gibt nichts Schöneres.“

> Empfangsberechtigt sind Leistungsbezieher nach dem SGB II bis XII (Nachweis erforderlich). Der Verein erhebt eine Bearbeitungsgebühr von zehn Euro. Einmal pro Woche findet eine Geräteausgabe statt. Bei Übernahme der Portokosten werden die Geräte auch verschickt.

Weitere Infos: www.computerspendehamburg.de

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