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Malprogramm mit Nostalgiefaktor : Paint: Der Reiz des Rudimentären

vom

Die Meldung über das nahende Ende von Paint löst Entrüstung aus – eingehüllt in Nostalgie.

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 13:57 Uhr

Als ich ankündigte, diesmal über Paint zu schreiben, reagierten zwei Kollegen, als hätte ich ihnen ein Baby-Eichhörnchen entgegengestreckt: „Aaawww!“ Und entsprechend sauer waren Paint-Nutzer, als das Gerücht die Runde machte, das rudimentäre Malprogramm von Windows würde demnächst eingestellt. Es gibt da eine Mischung aus Nostalgie und persönlichem Verhältnis zu dem Programm, mit der eine ganze Generation die ersten unbeholfenen Malstriche am PC verbrochen hat. Sie spielte mit der eingeschränkten Farbpalette, dem Graffiti-Sprühwerkzeug und der Füllfunktion herum (und man hatte im Umriss meistens eine Pixellücke, so dass der virtuelle Farbeimer das halbe Bild füllte). Am Ende kamen unbeholfene, plump wirkende „Gemälde“ heraus. Oder Krickelkrackel.

Wer einmal versucht hat, mit Paint ernsthaft zu arbeiten, hat das Programm mit ziemlicher Sicherheit dabei verflucht. Es gibt zwar längst kostenlose Alternativen (Gimp, Pixlr), die das Programm eigentlich überflüssig machen. Doch beim meditativen Herumdaddeln darf das Ergebnis mit Paint so wunderbar dilettantisch werden. Mit Paint feiern wir die Absage an Perfektion, dieses Professionelle und Leistungsorientierte. Mit Paint feiern wir Software-Geschichte.  Und die eigene Vergangenheit – als wir das erste Mal mit der Maus in Knallrot quer über den weißen Bildschirm sprühten.

Falls jemand die Paint-Fanart unterbieten kann, bitte per Mail an die Autorin senden. Ich werde das Bild dann austauschen.

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