Müllers Netzwelt : Over the Top

Dirk Müller ist Breitband-Experte.
Dirk Müller ist Breitband-Experte.

Die Preise für den Internetanschluss könnten wieder steigen. Doch das kann für die Infrastruktur förderlich sein – wenn das Geld wieder investiert wird.

shz.de von
08. Mai 2015, 09:42 Uhr

Für die Freunde von Sylvester Stallone ist „Over The Top“ nur ein amerikanischer Actionfilm. Für die Breitbandnetzbetreiber ist die Abkürzung eine Drohung. „Over The Top“ (abgekürzt OTT) bezeichnet für Diensteanbieter die Möglichkeit, ihre Leistungen über den Internetanschluss an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen, ohne selbst für die Nutzung des Breitbandnetzes zahlen zu müssen. Der Betreiber des Internetanschlusses guckt dabei in die Röhre. Obwohl er die Investition und den Betrieb für den Anschluss schultern muss, hat er nichts davon.

Stattdessen muss er seinem Kunden immer wieder klar machen, warum der Anschluss nicht auch so billig sein kann, wie bei dem Anbieter aus der Werbung.

OK, die Sternchen in der Werbung sind wirklich schwer zu erkennen, aber trotzdem muss das doch billiger gehen.

Noch dramatischer kann es aber die Mobilfunkanbieter treffen. Die haben bereits mit „WhatsApp“ einen Umsatzkiller im Netz. Vor wenigen Jahren trug der SMS-Boom erheblich zu den Gewinnen der Anbieter bei. Heute werden Nachrichten kostenfrei über „WhatsApp“ verschickt. Wenn man das weiterspinnt: Wozu braucht man eigentlich in Zukunft noch einen Mobilfunktarif, wenn man sich auch mit seinem Smartphone über das dann vielleicht flächendeckende und kostenfreie WLAN-Netz (so wünscht es sich die Politik) z.B. über Skype unterhalten kann?

Anfangs hatten einige Netzbetreiber die Idee, von den Anbietern für die Nutzung des Anschlusses eine Art Maut und zusätzlich von den Endkunden eine „Entdrosselungsgebühr“ zu verlangen, sobald sie ein bestimmtes Datenvolumen überschritten haben. Das kam weder bei den Kunden noch in der Politik so gut an. Netzaktivisten sahen insbesondere die Netzneutralität in Gefahr, da sich nur die großen Konzerne eine Mautgebühr leisten können. Die kleinen würden dann durch die Drosselung ausgebremst.

Obwohl diese Pläne noch nicht ganz vom Tisch sind, ist ein nicht unwahrscheinliches Szenario, dass die Preise für Internetanschlüsse mittelfristig wieder steigen werden. Und wenn dieses Geld dann in einer neuen und leistungsfähigeren Netzinfrastruktur landet, dann bleibt es hoffentlich auch bei der freien Fahrt für freie Surfer.

> Dirk Müller ist Breitband-Experte.

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