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Digitales Lernen : Offene Uni – Die Lehre der Zukunft

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zeit der klassischen Vorlesung ist vorbei, digitale Lernangebote werden immer wichtiger. Dabei setzt man in Schleswig-Holstein vermehrt auf freie Lehre für jedermann.

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erstellt am 06.Nov.2015 | 18:50 Uhr

Kiel | Der langgezogene norddeutsche Gruß „Mooin“ ist vielseitig anwendbar: Vom einfachen„Hallo“ bis hin zu einem „Herzlich Willkommen“ kann fast alles hineininterpretiert werden. Letztere Bedeutung ist inzwischen auch Credo schleswig-holsteinischer Hochschul-Lehre: Die FH Lübeck-Tochter „Oncampus“ hat mit der Plattform „Mooin“ ihr Online-Studienangebot erweitert und heißt seit Mai jeden willkommen, der sich neuen Aufgaben stellen möchte. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Rolf Granow, Geschäftsführer des E-Learning-Unternehmens. Inzwischen habe die Plattform bereits rund 5000 registrierte Nutzer vorzuweisen, die die frei zur Verfügung stehenden Lernmaterialien nutzen und sich in offenen Gruppen darüber austauschen können. Kostenpflichtig wird es erst, wenn die Online-Weiterbildung mit einem Zertifikat abgeschlossen werden soll – ob nun über die Teilnahme an einem Kurs zu Videoproduktion, Projektmanagement oder Marketing. „Lernen in offenen Gruppen ist eine neue Dimension des Lernens“, sagt Granow und räumt ein: „Auch wir müssen uns erst daran gewöhnen.“ Daran, dass die Studenten selbst entscheiden, was sie wissen wollen, wie sie Module kombinieren und ihr Profil bilden. „Die FH gibt nichts mehr vor.“

Doch diese Freiheiten bergen auch Risiken, gibt Granow zu bedenken: „Die Menschen müssen zwingend lernen, sich in einer offenen Umgebung zu bewegen. Da liegt ein großer Teil der Arbeit noch vor uns.“ Zwischen dem Zappen durch das Internet und einer effizienten Nutzung lägen Welten. Umso wichtiger, so Granow, dass Medienkompetenz früh und stetig vermittelt werde.

Ein großer Vorteil des Online-Lernens sei die permanente Verfügbarkeit der Lernmaterialien, sagt auch Kerstin Mayrberger, Mitglied der Lenkungsgruppe Hamburger Open Online University (HOOU). Auch die sechs beteiligten Hamburger Hochschulen wollen ein offenes Lernangebot zur Verfügung stellen, mit dem sich nicht nur eingeschriebene Studenten weiterbilden können. Noch befinde man sich aber in der Test- und Entwicklungsphase, 2017 solle der Prototyp fertig sein.

Bereits bei der Vorstellung des Projekts vor einem Jahr zeigte sich Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz begeistert, machte aber deutlich, dass diese neuen Lernformen nur ergänzend zu den bisherigen Präsenzstudiengängen existieren könnten: Forschen und Lehren im unmittelbaren Kontakt untereinander – „das wird man trotz ausgefeiltester virtuell-technischer Möglichkeiten nie wirklich ersetzen können.“

Das sieht man in Schleswig-Holstein anders. Auch das Land arbeitet daran, seine Hochschulen besser auf das digitale Zeitalter auszurichten: „In spätestens fünf Jahren werden nachrückende Studenten die traditionellen Lernformen in überfüllten Hörsälen oder Seminaren in großen Gruppen nicht mehr wollen“, prognostiziert Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer. Die Regierung will die Hochschulen bei der Entwicklung neuer Angebote unterstützen: 450.000 Euro über drei Jahre verteilt stellt das Land für den Ausbau digitaler Lehrangebote bereit.

Auch Oncampus entwickelt sein Angebot stets weiter: Seit ein paar Wochen steht der Name nicht nur für offenes Lernen, sondern auch für Integration, erzählt Rolf Granow stolz. Die Macher stellen frei verfügbare Inhalte für die Weiterbildung von Flüchtlingen zur Verfügung. „Das ist uns ein Anliegen. Diese Herausforderung wird uns noch lange begleiten“, sagt Granow über die aktuelle Lage, für die man auch digitale Lösungen finden könne: „Man muss aber einfach mal anfangen.“

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