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Voss’ Netzwelt : Obama über Verschlüsselung – Ein knallharter Kumpeltyp

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der US-Präsident bezieht Position im Streit um verschlüsselte Software – und verpackt seine Anliegen geschickt.

Mit einem Kaffeebecher in der Hand sitzt er da und plaudert: Barack Obama hat sich für die Keynote auf SXSW-Konferenz in diesem Jahr eine ungewöhnliche Form ausgesucht. Normalerweise sind Keynotes Reden oder Präsentationen – auch auf der Technik- und Kulturkonferenz in Texas. Hier aber sitzt der US-Präsident im tiefen Ledersessel vor dem Publikum und unterhält sich mit dem Moderator über die Herausforderungen der digitalen Welt.

Eine dieser Herausforderungen ist das verschlüsselte iPhone des Attentäters von San Bernadino – zumindest für das FBI, das gerne an die Daten darauf kommen würde. Apple will aber nicht bei der Entschlüsselung helfen.

Barack Obama lädt die anwesende Tech-Community ein, ihm und dem Staat dabei zu helfen, zwar sichere Software herzustellen, die aber trotzdem den Zugriff der Polizei zuließe – so wie das in anderen Bereichen auch möglich sei.

So charmant, wie der Präsident in solchen Situationen sein kann, wob er diese Einladung in eine Drohung: Wenn für den staatlichen Zugriff kein technischer Weg gefunden werde, käme ganz sicher der Gesetzgeber bei einem größeren Attentat und dann werde die Lösung sicher nicht mit so viel Bedacht gewählt.

Diese rhetorische Figur kennen wir auch aus Deutschland: Wenn wir die Vorratsdatenspeicherung nicht jetzt in Ruhe machen, kommt sie nach dem ersten Attentat umso heftiger. Verfassungsgericht hin oder her. Friss oder stirb.

Das Problem mit der Sicherheit digitaler Geräte ist aber, dass jede Hintertür für die Polizei ein mögliches Einfallstor auch für Verbrecher ist. Während der digitale Verteidiger alle Lücken im System schließen muss, reicht dem Angreifer eine einzige Lücke. Und diese eine Lücke kann er dann automatisch in allen baugleichen Geräten ausnutzen. Automatisiert. Das kann kein Nutzer und kein Hersteller wollen.

So kumpelhaft Barack Obama auf dieser Bühne in Texas auch wirkte – seine Agenda für den Auftritt war knallhart und ich kann nur hoffen, dass das Publikum das durchschaut hat.

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.

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