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Das tote Pferd von Plön : Nur Online: Ein Musical geht neue Wege

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie wollen etwas Neues machen – und das kommt an: Zahlreiche Musical-Stars wollen dabei sein, wenn „Das tote Pferd von Plön“ produziert wird. Ein Werk ausschließlich fürs Internet.

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erstellt am 23.Okt.2015 | 18:13 Uhr

Für Musical-Fan Anika Schönhaube wird ein Traum wahr: Sie darf neben ihrem großen Idol Hajo Keller die Hauptrolle auf der Musical-Bühne spielen. „Da sieht die Welt noch heile aus“, singt sie kitschig-schön über ihre Heimat Schleswig-Holstein. Was kann da noch schief gehen? Bald soll sich zeigen: Einiges.

Im Musical „Das tote Pferd von Plön“ wird es hoch hergehen: Nach und nach tötet die junge Darstellerin (gespielt von Kerstin Dietrich) ihre Bühnenkollegen, das eigentliche Ziel – ihr einstiges Vorbild Keller – stets verfehlend.

Die Geschichte von Anika Schönhaube klingt nach großem Stoff, auf die große Bühne wird sie es aber nicht schaffen. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Und das hat einen Grund: „Wir wollen unsere Arbeit für alle zugänglich machen“, sagt Florian Richter, einer der Macher des Musicals, das es ausschließlich im Internet zu sehen geben wird. Etwa acht Folgen sind geplant, jede Woche soll eine ins Netz gestellt werden – kostenlos. „Das Ziel ist nicht, mit der Verbreitung Geld zu verdienen“, sagt Richter. „Das Internet an sich steht für eine Kostenlos-Kultur“, doch „wir wollen uns dem nicht entgegen stellen, sondern vermitteln, was geht“, sagt Richter. „Es ist auch ein neuer Weg zu zeigen, was wir können.“

Das vierköpfige Team, bestehend aus den Produzenten Rainer Niermann und Florian Richter sowie den Komponist Marc Schubring und Texter Heiko Wohlgemuth, verbringt einen großen Teil seines Lebens in Schleswig-Holstein – aus familiären und beruflichen Gründen: Niermanns und Richters Produktionsfirma „Play On Films“ hat ihren deutschen Sitz in Malente (Kreis Ostholstein). Der Norden punkte mit seiner schönen Landschaft, schwärmt Richter. Sie soll den Zuschauer mit in die Traumwelt der Hauptfigur und so in die schönsten Ecken des Landes nehmen. Gedreht wird im Frühsommer 2016, im Winter soll das Musical dann im Netz zu sehen sein.

Bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) kam der Innovationsgeist gut an: 5000 Euro Förderung wurden bereits bewilligt, ein erster Trailer ist entstanden. Nun hoffen die Musical-Macher auf weitere Förderung – und auf die Unterstützung der Netzgemeinde. Mit einer Crowdfunding-Kampagne rufen sie zur Unterstützung auf. Die Marke, die es zu knacken gilt, liegt bei 25.000 Euro. Das Ergebnis solle dann „so großartig aussehen, wie wir es angefangen haben“.

Auch unter den Darstellern war die Begeisterung groß: „In der deutschen Musical-Landschaft macht man immer dasselbe“, sagt Richter. „Das Phantom der Oper“, „Westside Story“ – Stücke, die immer beim Publikum ankämen, weiß Richter: „Deutsche Theater sind sehr vorsichtig mit neuen Stoffen.“ Das Internet böte nun die Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Und weil das so spannend sei und Spaß mache, sind auch bekannte Musical-Darsteller wie Uwe Kröger („Das Phantom der Oper“ oder Theater-Prominenz wie Corny Littmann (Intendanz Schmidttheater Hamburg) mit dabei: „Eigentlich haben wir alle bekannten Namen der deutschen Musical-Szene“, freut sich Richter. „Das zeigt aber auch den Wunsch der Branche, etwas Neues zu machen.“

Doch die Begeisterung unter den Darstellern stellt die Macher nun vor ein Luxusproblem: „Wir wissen noch nicht, wie wir die alle unterbringen sollen“, lacht Richter. „Da müssen wir noch einmal ran und die Zahl der Leichen erhöhen.“

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