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Müllers Netzwelt : Neues Gesetz: Per Klingeldraht zu schnellem Netz?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein neues Gesetz soll den Ausbau des Glasfasernetzes voranbringen – wichtige Details sind ernüchternd, meint unser Kolumnist.

Der Ausbau neuer Glasfasernetze ist teuer. Insbesondere die Tiefbau- und Monatearbeiten für die Verlegung eines komplett neuen Breitbandnetzes führen zu hohen Kosten, vor denen oftmals die Telekommunikationsanbieter zurückschrecken. Stattdessen setzt unter anderem die Telekom auf die Ertüchtigung der vorhandenen Kupferinfrastruktur.

Damit der Neubau von Hochgeschwindigkeitsnetzen günstiger wird, hat die EU bereits Mitte 2014 eine Kostensenkungsrichtlinie in Kraft gesetzt. Diese Richtlinie soll dazu beitragen, dass der Bau neuer Netze günstiger wird. Der Bund wird diese Richtlinie nun in nationales Recht umsetzen. Das „Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze“, kurz DigiNetzG, wurde kürzlich vom Bundeskabinett beschlossen.

Kern des Gesetzes ist die Verpflichtung zur Koordinierung und Transparenz von Bauarbeiten,beispielsweise an öffentlichen Straßen. So können Telekommunikationsunternehmen nun von Betreibern öffentlicher Infrastrukturen verlangen, Auskunft über geplante oder laufende Bauarbeiten zu erhalten.

Des Weiteren besteht eine Mitverlegungspflicht von Glasfaserleitungen bei öffentlich finanzierten Baumaßnahmen. Der Ausbau hat jedoch „bedarfsgerecht“ zu erfolgen. Bedarf besteht im Übrigen nicht, wenn bereits ein digitales Hochgeschwindigkeitsnetz vorhanden ist.

Ernüchternd an dem Gesetz ist jedoch, dass das digitale Hochgeschwindigkeitsnetz mit „mindestens 50 Mbit/s“ im Download definiert ist. Dabei sollte allen Beteiligten klar sein, dass 50 Mbit/s nur ein kurzer Zwischenschritt sein kann. Auch dass der immer wichtiger werdende Bedarf an höheren Uploadgeschwindigkeiten unberücksichtigt bleibt, stimmt nachdenklich. 50 Mbit/s im Download ist im Übrigen eine typische Grenze bei VDSL-Netzen. Da soll wohl jemand geschützt werden.

Positiv zu bewerten ist allerdings, dass Bauherren von Neubaugebieten dafür Sorge tragen müssen, dass mindestens ein Leerrohrnetz mit Glasfaserleitungen verlegt wird. Auch sollen ab 2017 alle Neubauten mit „hochgeschwindigkeitsfähiger“ Gebäudeverkabelung ausgestattet sein. Ich hoffe, dass niemand auf die Idee kommt, dass – nur weil man über den Klingeldraht mit VDSL bis zu 100 Mbit/s auf kurzen Strecken übertragen kann – den alten Klingeldraht als Hochgeschwindigkeitsnetz interpretiert.

> Dirk Müller ist Breitband-Experte.

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