Mehr redaktionelle Inhalte : Neue Facebook-Funktion: Fragen und Antworten zu „Instant Articles“

Ein undatiertes Foto zeigt ein Mobiltelefon, auf dem die App „Instant Articles“ des sozialen Netzwerks Facebook läuft.
Ein undatiertes Foto zeigt ein Mobiltelefon, auf dem die App „Instant Articles“ des sozialen Netzwerks Facebook läuft.

Facebook-Nutzer sollen einfacher an redaktionelle Inhalte von Journalisten gelangen. Was das soziale Netzwerk vor hat.

shz.de von
13. Mai 2015, 15:47 Uhr

Menlo Park/Berlin | Facebook setzt in Zukunft stärker auf journalistische Inhalte. Facebook-Nutzer sollen künftig Nachrichten und Multimedia-Reportagen noch schneller in der Smartphone-App des Online-Netzwerks finden - und noch weniger Anlass haben, ins offene Web zu wechseln. Facebook kündigte am Mittwoch dazu eine Kooperation mit einer Reihe internationaler Medienhäuser an.

Fragen und Antworten zum Thema:

Was sind „Instant Articles“?

Medien in den USA, Großbritannien und Deutschland erproben mit Facebook eine neue Art der Onlineberichterstattung. Sie werden künftig in der mobilen Facebook-App nicht nur Anreißer ihrer Inhalte veröffentlichen, sondern komplette Artikel, Bildergalerien und Videos. Damit werden Nutzer nicht mehr wie bisher über einen Link auf die jeweilige Medien-Website geleitet.

Die multimedialen Geschichten werden dabei auf der Smartphone-App von Facebook direkt im News-Feed der Anwender veröffentlicht. Sie müssen nicht wie bisher über einen Link von der Medien-Website geladen werden, sondern liegen bei Facebook selbst.

Welche Medien kooperieren mit Facebook?

Mit an Bord sind aus Deutschland Bild.de und Spiegel Online. In den USA sind die New York Times, The Atlantic, National Geographic und das Portal Buzzfeed dabei, in Großbritannien beteiligen sich BBC News und der an dem Projekt „Instant Articles“.

Ab wann gibt es die Funktion in Deutschland?

Den Anfang machen die US-Verlage, in Deutschland wird die Funktion laut Spiegel Online „bald“ verfügbar sein.

Außerdem kommen erst nur iPhone-Nutzer in den Genuss von „Instant Articles“. Die anderen Plattformen wie Android und Windows sollen später dazukommen.

Warum führt Facebook „Instant Articles“ ein?

Für Facebook sind die Gründe dafür relativ offensichtlich. Auf der einen Seite verbessert sich durch die Abbildung von ganzen Inhalten in Facebook die Nutzerfreundlichkeit. Gerade für mobile Nutzer ist der Wechsel zur Nachrichtenseite oft mit erheblichen Ladezeiten verbunden und die Zielseite ist je nach Medium mal mehr, mal weniger mobil optimiert.

Auf der anderen Seite gewinnt Facebook natürlich, wenn die Nutzer mehr Zeit im eigenen Netzwerk verbringen und die eigene Seite oder die App nicht verlassen.

Was haben Facebook-Nutzer von „Instant Articles“?

Wenn die User derzeit in der Facebook-App auf einen Medien-Link in der mobilen App klicken, dauert es oft bis zu acht Sekunden, bis die Inhalte auf dem Smartphone erscheinen, sagt der zuständige Produkt-Manager bei Facebook, Michael Reckhow. Der Aufbau der Inhalte gehe nun zehn Mal so schnell vonstatten. Außerdem gewährleistet Facebook, dass Fotos in hoher Auflösung sowie Texte und Videos optimal auf der Mobil-Plattform zur Geltung kämen.

Was haben die Medienhäuser von der Zusammenarbeit mit Facebook?

Für die Medienhäuser ist vor allem die Zielgruppe bedeutend, die Facebook in seinen Apps versammelt: „Fast 30 Millionen Menschen in Deutschland erleben ihren digitalen Alltag auf Facebook“, sagt Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de. „Deswegen sind wir gespannt, ,Instant Articles` auszuprobieren und gemeinsam mit Facebook Lösungen zu entwickeln, die unsere einzigartigen Inhalte auf dieser Plattform noch schneller, leichter, reibungsloser und aufregender erlebbar machen.“

Interessant ist das Projekt für die Verlage aber auch, weil Facebook ihnen einen großen Spielraum einräumt: „Wichtig ist dabei, dass wir zum ersten Mal nicht nur die Auswahl der Inhalte, sondern auch deren Vermarktung selbst in der Hand haben“, erläutert Katharina Borchert von Spiegel Online. Konkret heißt das: Facebook kümmert sich nicht darum, welche Texte, Bilder oder Videos veröffentlicht werden. Gleichzeitig bietet das Netzwerk den Publishern eine wirtschaftliche Perspektive: Wenn die Verlage einen Werbe-Partner selbst besorgt haben, können sie auch die Erlöse komplett behalten. Kommt die Werbung aus dem Facebook-Netzwerk, werden 70 Prozent der Erlöse ausgeschüttet.

Die Verlage haben dabei auch Zugriff auf Nutzerdaten, können also sehen, welche Artikel besonders populär sind und welche Inhalte auf weniger Resonanz stoßen. Man werde sich dabei an alle geltenden Datenschutzbestimmungen halten, betonen die Beteiligten.

Mit „Instant Articles“ sollen auch Finanzierungsformen erprobt werden können, die nichts mit Werbung zu tun haben, etwa bezahlpflichtige Abos. Das war dem Springer-Verlag wichtig, der mit Bezahlschranken im Web experimentiert.

Was sind die Chancen und Risiken des neuen Angebots?

Es gibt Befürchtungen, dass die Kooperation mit Facebook dazu führen könnte, dass Bild und Spiegel zu abhängig vom sozialen Netzwerk werden. dem treten die Verantwortlichen unisono entgegen. „Selbstverständlich ist und bleibt unsere journalistische Berichterstattung komplett unabhängig, auch die Berichterstattung über Facebook“, sagt der Chefredakteur von Spiegel Online, Florian Harms. Bei Bild klingt das ähnlich.

US-Professor Jeff Jarvis sieht in dem Projekt eine Chance, die sich die Verleger nicht entgehen lassen sollten. „Das ist eine gute Nachricht für Nachrichten.“ Facebook habe damit deutlich gemacht, dass Nachrichten für das Unternehmen eine Bedeutung hätten.

 

In diesem Video erklärt Facebook sein neues Angebot.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen