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Dreyklufts Netzwelt : Nein, Facebook, ich will keinen Kühlschrank!

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Das Netzwerk sammelt massenhaft Daten über mich, nervt aber dennoch mit komplett blödsinniger Werbung.

Bei Facebook sehe ich seit Wochen eine bestimmte Werbeanzeige. Sie will mich dazu animieren, bei Otto einen bestimmten Kühlschrank zu kaufen, den ich jüngst bei Höffner erwarb, mir zuvor aber auch bei Amazon anschaute. Durch einen Artikel in der „Washington Post“ ahne ich nun, warum ich diese Anzeige sehe. Und ich weiß, warum ich sie doof finde.

„98 persönliche Datenpunkte, die Facebook nutzt, um dir Werbung auszuspielen“, ist der Artikel knackig überschrieben. Und unter den 98 Punkten finden sich so erstaunliche Dinge wie „Nutzer in Fernbeziehungen“, „Alter des Autos“, „Pendler“ oder „früher/später Anwender von Technologien“ (die komplette Liste findet sich in deutscher Übersetzung auf netzpolitik.org).

Was ich gelernt habe: Facebook nutzt nicht nur die Daten, die ich dort eingebe, oder mein Verhalten auf Facebook selbst. Facebook weiß auch, welche anderen Websites ich besuche (durch Facebook-Plugins dort). Facebook bietet Unternehmen außerdem die Möglichkeit, Kundenlisten heraufzuladen. Deshalb weiß das Netzwerk, dass ich Amazon-Kunde bin und wohl auch,  dass ich mich für Kühlschränke interessiert habe.

Hier teilt mir Facebook mit, dass Amazon meine Kundendaten hochgeladen hat.

Was mich am Artikel der „Post“ aber am meisten überraschte: Facebook nutzt auch Daten von Drittanbietern, um mein Nutzerprofil abzurunden. Genannt werden Experian, Acxiom und Epsilon. Alle drei sind auch in Deutschland aktiv und beziehen ihre Daten etwa über Preisausschreiben oder Kundenbindungsprogramme. Die Autorin des Artikels schreibt, Facebook verfüge so über die umfassendsten Verbraucherprofile, die es auf der Welt gibt. Sie umfassten nicht nur die Online-Welt, sondern auch die Offline-Welt.

Facebook behauptet, das sei auch gut so: „Wir wollen, dass die Menschen Werbung sehen, die interessant, nützlich und relevant ist“, wird ein Unternehmenssprecher zitiert.

Aber warum gebt ihr euch solche Mühe, so viele Daten über mich zu sammeln, aber versteht grundlegende Dinge nicht? Ich habe schon vor einigen Wochen nach Kühlschränken gesucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich inzwischen einen gekauft habe, ist sehr groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in den nächsten zehn Jahren einen Kühlschrank kaufe, ist sehr klein. Wie lange nervt ihr mich noch mit Kühlschrankwerbung?

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erstellt am 23.Aug.2016 | 16:10 Uhr

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