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Youtube-Konkurrenz : Nächster Halt: Patreon

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Youtubes Werbepolitik verärgert immer mehr Filmer - einige suchen sich daher Ausweich-Plattformen. Eine davon ist Patreon.

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erstellt am 05.Mai.2017 | 12:18 Uhr

Der Großkonzern Google dominiert das Netz. Diese Platzhirsch-Funktion wird es wohl so schnell nicht verlieren – doch an mehreren Stellen zeigen sich Schwachstellen der Maschinerie. Eine ist Youtube. Schon länger mosern Filmer, teils bekannte Aushängeschilder wie Philip DeFranco, darüber, dass ihre Einnahmen dramatisch wegbrechen.

Für einige Youtuber sind die allwöchentlichen Videos inzwischen vom Hobby zum Beruf geworden – nicht nur für Großverdiener wie Bibi oder Gronkh. Auch wer weniger Abonnenten hat, hatte durch das Portal vielleicht ein kleines Extra auf dem Konto oder sogar die Kosten für eine neue Kamera wieder drin. Das Hobby trug sich selbst und finanzierte mit etwas Glück noch das Studium.

Umso größer ist der finanzielle Ärger, seitdem das Videoportal die Videos automatisch nach Werbefreundlichkeit prüfen lässt  - und im Zweifelsfall die Werbung zurückzieht. Das Portal checkt dabei automatisch Titel und Thumbnail auf Inhalte, die Werbepartnern nicht gefallen könnten. Drogen, Sex Gewalt – die üblichen Verdächtigen sind darunter. Youtube beanstandet aber auch: „Umstrittene oder heikle Themen und Ereignisse (z. B. Krieg, politische Konflikte, Naturkatastrophen und tragische Vorfälle) – auch, wenn keine expliziten Bilder gezeigt werden.“

shz.de ist davon nur am Rande betroffen – schließlich stellen wir bei Videos zu Unfällen und Bränden die Anzeigen ohnehin ab. Aber auch hier gibt es Videos, die Youtube nicht mag. So wurde zum Beispiel das Video eines Jugendlichen demonetarisiert, der eine Ausbildung zum Steinmetz macht. Zu heikel für Youtube? Der Junge heißt schließlich Ahmed und kommt aus Afghanistan. Auch das Video von der Ehrung zum Menschen des Jahres darf kein Geld in die Kasse spülen. Es geht in dem Film um einen Ehrenamtler, der einen Preis für sein Engagement erhält. Aber – oje – er engagiert sich dafür, dass Kindesmissbrauch in Heimen aufgeklärt wird. So etwas wollen nach Youtubes Ansinnen Werbekunden nicht unterstützen.

Um nicht ungerecht zu sein: Das Portal überprüft die Video automatisiert und stolpert dabei wohl über Wörter wie Afghanistan und Missbrauch. Doch gerade das zeigt den offensichtlichen Riss im System. Denn heikle Themen werden dadurch, wenn auch nicht wie so häufig wutentbrannt vorgeworfen, zensiert, dann doch zumindest eingeschränkt.

Ein Grund, nicht mehr über tiefgreifendere Themen zu sprechen? Über Politik, Depressionen oder Homosexualität? Aber nicht doch. Hier macht Youtube die Rechnung ohne die Youtuber. Denn die haben alle als kleine Hobbyfilmer angefangen – eben weil sie der Welt etwas mitteilen möchten. Philip DeFranco hat inzwischen einen erfolgreichen Kanal auf Patreon hochgezogen. Das Video- und Künstlerportal ist werbefrei und wird durch Mikro-Abos im Ein-Dollar-Bereich finanziert. Andere folgten DeFranco und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch Nutzer von Youtubes Verflachungspolitik genug haben.

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